Alleen in Niedersachsen

Der Niedersächsische Heimatbund e.V. (NHB) führte von Januar 2015 bis Mai 2018 das von der Niedersächsischen-Bingo-Umweltstiftung geförderte Projekt „Die 500 schönsten und wertvollsten Alleen Niedersachsens“ durch. Die Projektergebnisse zeigen erstmals eine repräsentative Übersicht über die niedersächsischen Allen und wurden in der Zeitschrift Niedersachsen veröffentlicht. Projektleiter waren Dr. Ansgar Hoppe und Dr. Max Peters.

Nach wie vor können Alleen unter www.alleen-niedersachsen.de gemeldete werden.

Jeden Monat präsentiert die Fachgruppe Kulturlandschaft des NHB aus den erfassten Alleen eine besondere Allee, die sie mit dem Titel Allee des Monats kürt.

Warum Alleen-Schutz?

Alleen als wichtige Elemente der Kulturlandschaft
Seit Jahrhunderten prägen Alleen das Landschaftsbild in Niedersachsen. Ursprünglich als gärtnerisches Gestaltungselement in herrschaftlichen Parkanlagen entstanden, begleiteten sie seit der Mitte des 18. Jahrhundert die neue entstandenen Chausseen, andere wurden zur Betonung von Schlössern, herrschaftlichen Gütern oder bedeutenden Bauernhöfen in der Landschaft angelegt. Gepflanzte Bäume können aus kirchlichen (Kirch- oder Pilgerwege, Toten- bzw. Begräbniswege), aber auch aus militärischen oder ökonomischen Motiven entstandene Wege wie Heerstraßen und Handelswege begleiten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren Alleen überall in der Kulturlandschaft weit verbreitet. Mit dem Ausbau der Straßen vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren ging ein starker Rückgang der Alleen einher. Aber es sind sowohl historische Alleen erhalten geblieben, als auch neue Alleen gepflanzt worden. Diese nehmen bis heute wieder vielfach eine landschaftsprägende Bedeutung ein und durchziehen Niedersachsen wie ein grünes Netz.
Die Alleen sind wichtige Elemente der Landschaftsgestaltung, da sie Räume gliedern und beleben können. Gerade in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden sind sie oft die einzigen strukturgebenden Elemente in der Landschaft. Alleen vernetzen wertvolle natürliche Lebensräume und sind selbst Lebensraum für eine artenreiche Insekten- und Vogelfauna. Fledermäuse nutzen Alleen als Jagdbiotope und zeigen beim freien Flug eine enge Bindung an linienförmige Landschaftselemente, wie es Alleen an Straßen darstellen. Straßenbäume sind zudem wichtig für das Mikroklima und tragen maßgeblich zur Luftfilterung und Reduzierung der vom Verkehr emittierten Feinstäube bei. Geschlossene Alleen können in belaubtem Zustand bis zu einen hohen Anteil der Feinstäube aus der Luft herausfiltern.
Die Funktionsvielfalt und Nutzungsgeschichte der Alleen macht sie zu wichtigen Elementen der Kulturlandschaft, die durch ihre landschaftsprägende Wirkung und kulturhistorische Bedeutung in erheblichem Maße zur Eigenart und Vielfalt und Schönheit des Landschaftsbildes beitragen.

Birken-Allee an der L 477 zwischen Soßmar und Clauen im Landkreis Hildesheim. Foto: Max Peters/NHB
Eichen-Allee an der Felder Straße in Eggeloge bei Westerstede im Landkreis Ammerland. Foto: Max Peters/NHB

Alleen in Gefahr
Jedoch bestehen aufgrund der Verkehrssicherungspflicht und der Unterhaltung von Straßen sowie dem Ausbau von Verkehrswegen ernsthafte Gefahren für den Fortbestand der straßenbegleitenden Alleen. Insbesondere die erhöhte Zahl an schweren Unfällen hat zu einer intensiven Diskussion zur Vereinbarkeit von Straßenbäumen und Straßenverkehr geführt. Straßenbegleitende Alleen sind vor allem durch den Ausbau von Straßen in ihrem Bestand gefährdet. Neue Richtlinien (ESAB 2006: Empfehlung für den Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume & RPS 2009: Richtlinie für den passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme) erschweren Nachpflanzungen und fördern gemeinsam mit der Tatsache, dass nur wenige Alleen rechtlich geschützt sind, das Fällen von Alleebäumen. Zudem ist es mit wenigen Ausnahmen gängige Praxis in Niedersachsen, dass gefällte Alleebäume nicht nachgepflanzt werden. Dabei geht der typische Charakter von Alleen und der wesentlich durch sie bestimmten Landschaftsbilder im Laufe der Zeit verloren, und die Alleen verschwinden sukzessive aus dem Straßenbild. Da Alleen nur in Ausnahmefällen einem rechtlichen Schutzstatus unterliegen, existiert weder bei den Landkreisen noch in den Landesbehörden eine Übersicht dieser für das Land so prägenden Kulturlandschaftselemente.

Erfassung und Schutz von Alleen
Aufgrund der großen Bedeutung der Alleen für die Kulturlandschaft in Niedersachsen und der Verbundenheit der Bürger und Bürgerinnen mit diesen Landschaftselementen, konnte mit Hilfe des Projektes eine Übersicht der wichtigsten und schönsten Alleen Niedersachsens entstehen. Insgesamt sollten mindestens 500 Alleen aus allen Regionen Niedersachsen erfasst und durch den NHB nach ihrer Meldung vor Ort aufgesucht, nach einheitlichen Kriterien charakterisiert und bewertet werden. Die wesentlichen Merkmale sind dabei die Länge und das Alter der Alleen, ihre Baumartenzusammensetzung, Geschlossenheit und landschaftsprägende Bedeutung.
Die gewonnenen Informationen stehen auf der Seite www.alleen-niedersachsen.de nicht nur allen Bürgern Niedersachsen zur Verfügung, sondern sie geben auch Behörden Hinweise zur Bedeutung der Alleen in ihrer Region und tragen damit zu deren Schutz bei.

Projekt-Ergebnisse

In Niedersachsen gibt es (mindestens) 1.977 Alleen
Das sind insgesamt mehr als 1.782 Kilometer Strecke
Die Verteilung an den Straßenklassen ist homogen:

  • 24 % an Bundes- und Landesstraßen
  • 27 % an Kreisstraßen
  • 25 % an Gemeindestraßen
  • 24 % an unklassifizierten Wegen

57 % der Alleen prägen die Landschaft
Anteile der Baumarten:

  • 35 % Linde
  • 9 % Birke
  • 5 % Spitz-Ahorn
  • 4 % Apfel
  • 3 % Andere Obstarten
  • 20 % Eiche
  • 6 % Berg-Ahorn
  • 4 % Kastanie
  • 4 % Esche
  • 10 % Sonstige Arten

Die Wertung der Alleen aus sicht des NHB:

  • 8 % sehr hoch
  • 40 % mittel
  • 43 % hoch
  • 9 % niedrig

Insgesamt gibt knapp 1.000 wertvolle Alleen im Land!

Linden-Allee an der L 87 zwischen Wulften und Schledehausen im Landkreis Osnabrück. Foto: Max Peters/NHB
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