W i N 2.0 – Wege in Niedersachsen 2.0

Rückblick

Wie kann man einen gerechten Wegebau und Naturschutzmaßnahmen mit verschiedenen Interessentengruppen vereinbaren?

Dieser Fragestellung ging der Niedersächsische Heimatbund e. V. (NHB) anhand des seit dem 1. August 2018 durchgeführten Projektes W i N – Wege in Niedersachsen nach. Mit dem Vorhaben wurde in einer Pilotstudie modellhaft entwickelt, wie ein Interessensausgleich und ein sinnvoller und gerechter Umgang mit ländlichen Wegen entwickelt werden kann.

In einem Zeitraum von zwei Jahren (2018-2020) wurde in einem transparenten und integrativen Dialogprozess ein Wirtschaftswege- und Biotopverbundkonzept (WBK) für die Wege, der als Modellregion dienende Gemeinde Rehburg-Loccum im Landkreis Nienburg/Weser erstellt. Im Rahmen des Projektes konnte auf diese Weise eine gemeinschaftliche Verständigung zwischen den ökonomischen An­forderungen der Landwirtschaft an die ländlichen Wege und den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bürger*innen bei der Wegenutzung ge­funden werden.

Weiterhin wurden die begleitenden Wege­randstreifen, die als vernetzende Saumbiotope in der Kulturlandschaft eine große ökologische Bedeutung im Hinblick auf Biodiversität und Artenvielfalt aufweisen können, in den Fokus genommen und durch das Konzept gestärkt.

An dieses sehr erfolgreich verlaufende Vorgängerprojekt aus dem Jahr 2020 knüpft die Fortführung des Wegeprojektes unter dem Namen W i N 2.0 – Wege in Niedersachsen 2.0, das seit dem 01.05.2020 gestartet ist, an. Gefördert wird das Projekt durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU), die für die Unternehmungen des NHB den Betrag von 190.000 € Euro an finanziellen Mitteln zur Verfügung stellt.

Test
Artenreicher Wegrain mit Blühaspekt und begleitendem extensiv genutztem Grünland sowie Hecken und Baumreihen erzeugen ein vielfältiges Mosaik aus unterschiedlichen Lebensräumen und geben der Landschaft Struktur. Weg bei Langenholzen in der Nähe von Alfeld (LK Hildesheim). Foto: U.Hesse/NHB
Weg mit angrenzendem Saumbiotop auf trockenem Standort und extensiv beanspruchten Nutzungsbereichen prägen das Landschaftsbild (Rehburg-Loccum, LK Nienburg/Weser). Foto: U.Hesse/NHB
 

Umsetzung von Maßnahmen

In W i N 2.0 sollen die in W i N ermittelten und erprobten Projektideen und Projekt­resultate im Hinblick auf das vorhandene Wirtschaftswegenetz und deren Potenziale für Natur-, Biotop- und Insektenschutz in der Modellregion Rehburg-Loccum durch die Gemeinde konkret umgesetzt werden. Der NHB begleitet die Revitalisierungen der Wegeseitenräume und die Umsetzung ökologischer Pflegekonzepte und überprüft, ob diese die erhoffte naturschutzfachliche Wirkung – auch im Hinblick auf die Eingliederung in das Biotopverbundsystem des Landkreises Nienburg/Weser – entfalten.

Neue Modellregionen

„Wege in Niedersachen“ hat aber auch gezeigt, dass der Bedarf an dialogfähigen Lösungsansätzen für die Stärkung des kommunalen Außenbereichs hinsichtlich der möglichen Restrukturierung des Wegenetzes, kosteneffiziente Wegeunterhaltung und des Biotopverbundes beachtlich ist. Da die naturräumlichen Voraussetzungen und Eigentumsverhältnisse des ländlichen Wegenetzes, aber auch deren kultur­historische Bedeutung sowie die Relevanz der Wege für Naherholung und Tourismus in Niedersachsen vielfältig sind, werden neue Modellregionen mit anderen Rand­bedingungen in die Kulisse für  das Vorhaben W i N 2.0 aufgenommen.

Um ein Konzept zu erhalten, in welchem die Interessen verschiedener Nutzer*innengruppen berücksichtigt werden, wird mit diesen in W i N 2.0 eng zusammengearbeitet. So soll eine breite Öffentlichkeit und verschiedene Nutzer*innengruppen, vor allem aus der Landwirtschaft, Naherholung und dem Sport, als auch Vertretende aus dem Naturschutz einbezogen und auf eine gerechte und verantwortungsvolle Handhabung in Bereichen der ländlichen Wege inklusive der Wegseitenräume aufmerksam gemacht werden. Zusammen mit den Akteur*innen vor Ort wird ein auf die Region zugeschnittenes Wirtschaftswege- und Biotopverbundkonzept erstellt, welches als weiterer wichtiger Baustein zur Verstetigung der Projektidee fungieren sollen.

Wege in der Modellregion Rehburg-Loccum (LK Nienburg/Weser). Fotos: U.Hesse/NHB

Konzeptionierung von Wegeschauen

Als zusätzlicher Bestandteil von W i N 2.0 werden mithilfe von neuen Kooperationspartner*innen „Wegeschauen“ entwickelt und etabliert. Mithilfe dieses Instruments sollen in regelmäßigen Abständen Vertreter*innen verschiedener Interessensgemeinschaften zusammenkommen, um den Zustand der ländlichen Wege und Wegeseitenräume zu erkennen und zu bewerten sowie potenzielle Entwicklungsmöglichkeiten festzustellen. Somit wird eine niedrigschwellige Lösung gefunden, welche in der Art und Durchführung zukünftig auch in anderen Gemeinden als Hilfsmittel Anwendung finden kann.

Partner*innen

Wichtige Kooperationspartner*innen für das Projekt sind durch die Allianz Ländlicher Raum vorhanden. Dieser Zusammenschluss der Vertreter für die Interessen ländlicher Räume besteht neben dem NHB aus dem Niedersächsischen Landkreistag (NLT), dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB) und der Akademie für den Ländlichen Raum (ALR). Über die Allianz hinaus wird auch die Weiterführung des Projektes erneut durch die im Vorgängerprojekt involvierten Beteiligten von der Ge-Komm GmbH - Gesellschaft für kommunale Infrastruktur sowie dem Büro Kon-Sys für umweltpsychologische Beratungsdienstleitungen begleitend unterstützt.

Asphaltierter Hauptwirtschaftsweg in Ihme-Roloven in der Calenberger Börde (Region Hannover). Foto: U.Hesse/NHB
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