W i N 2.0 – Wege in Niedersachsen 2.0

Wie kann man einen gerechten Wegebau und Naturschutzmaßnahmen mit verschiedenen Interessentengruppen vereinbaren?

Der niedersächsische Heimatbund führt seit dem 01.05.2021 das Projekt Wege in Niedersachsen 2.0 (WiN 2.0) als Nachfolgeprojekt des erfolgreich verlaufenden Projektes Wege in Niedersachsen fort. WiN 2.0 zeigt auf, wie ein Interessensausgleich und ein sinnvoller und gerechter Umgang mit ländlichen Wegen entwickelt werden kann.

Denn diese dienen nicht nur der Erschließung für die Landwirtschaft, sie erfüllen auch wichtige Funktionen für Naturschutz, Erholung und Tourismus. Um die Interessen dieser Nutzer*innengruppen zu berücksichtigen, wird eng mit diesen zusammengearbeitet. So soll mit allen Beteiligten an einer gerechten und verantwortungsvollen Handhabung der Wege gearbeitet werden. Auch die Wegerandstreifen sollen in dem Vorhaben gestärkt werden. Diese können, als vernetzende Saumbiotope in der Kulturlandschaft, eine große ökologische Bedeutung im Hinblick auf Biodiversität und Artenvielfalt aufweisen. Gefördert wird das Projekt durch die niedersächsische Bingo- Umweltstiftung.

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Artenreicher Wegrain mit Blühaspekt und begleitendem extensiv genutztem Grünland sowie Hecken und Baumreihen erzeugen ein vielfältiges Mosaik aus unterschiedlichen Lebensräumen und geben der Landschaft Struktur. Weg bei Langenholzen in der Nähe von Alfeld (LK Hildesheim). Foto: U.Hesse/NHB

Modellregionen

„Wege in Niedersachen“ hat gezeigt, dass der Bedarf an dialogfähigen Lösungsansätzen für die Stärkung des kommunalen Außenbereichs hinsichtlich der möglichen Restrukturierung des Wegenetzes, kosteneffiziente Wegeunterhaltung und des Biotopverbundes beachtlich ist. Da die naturräumlichen Voraussetzungen und Eigentumsverhältnisse des ländlichen Wegenetzes, aber auch deren kultur­historische Bedeutung sowie die Relevanz der Wege für Naherholung und Tourismus in Niedersachsen vielfältig sind, wurden neue Modellregionen mit anderen Rand­bedingungen in die Kulisse für das Vorhaben aufgenommen.

Hier haben sich die Gemeinde Schiffdorf im Landkreis Cuxhaven und Wege im Landkreis Wolfenbüttel durchgesetzt. Somit sind neben dem Weser- Aller Flachland, nun auch der Naturraum Geest im Norden, sowie die Börde im Osten Niedersachsens vertreten. Auch die Eigentumsfrage wird in den verschiedenen Modellregionen unterschiedlich beantwortet. Zum Teil sind die Wege in Gemeindeeigentum, zum Teil aber auch Eigentum von Realverbänden.

Beteiligung von Akteur*innen und Öffentlichkeit

Um alle Akteur*innen vor Ort miteinzubeziehen, werden, zusätzlich zu dem Bürgerdialogportal, Arbeitskreise gebildet, welche über eingebrachte Kommentare und vorgeschlagene Änderungen diskutieren und beraten. Hier wird von Seiten der Landwirtschaft, dem Naturschutz, Heimatpflegenden und der Gemeinde vor Ort das Konzept des Wirtschaftswege- und Biotopverbunds diskutiert und präzisiert.

Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist ein grundlegender Bestandteil des WiN 2.0 - Projektes. Über ein Bürgerdialogportal kann sich die Öffentlichkeit an dem Projekt beteiligen und die konzeptionellen Ziele und Pläne werden transparent dargestellt. Auf diese Weise erhalten die Bürger*innen die Gelegenheit ihre Überlegungen in der zukünftigen Gestaltung der Wege und Wegeseitenräume zu äußern.

Umsetzung von Maßnahmen

In WiN 2.0 werden die in WiN ermittelten und erprobten Projektideen und Projekt­resultate im Hinblick auf das vorhandene Wirtschaftswegenetz und deren Potenziale für Natur-, Biotop- und Insektenschutz in der Modellregion Rehburg-Loccum durch die Gemeinde konkret umgesetzt. Für die Modellregion wurden 5 Pilotflächen ausgewiesen, auf denen die Umsetzung von geplanten Naturschutzmaßnahmen priorisiert vorangetrieben wird. Der NHB ist hier begleitend tätig. Zusammen mit regionalen Akteur*innen wurden die Flächen eingemessen und regio-zertifiziertes Saatgut ausgebracht. Ein auf die Flächen angepasstes Pflegekonzept soll die langfristige Erhaltung der Arten sichern. Weitere Informationen zu der Anlage von Blühstreifen und zur ökologischen Pflege von Wegseitenrändern finden Sie unter:

Anlage von Blühstreifen

Wege in der Modellregion Rehburg-Loccum (LK Nienburg/Weser). Fotos: U.Hesse/NHB
Asphaltierter Hauptwirtschaftsweg in Ihme-Roloven in der Calenberger Börde (Region Hannover). Foto: U.Hesse/NHB

Konzeptionierung von Wegeschauen

Wegeschauen sollen als eine Möglichkeit etabliert werden, um Wege und Wegraine in einem guten Zustand zu halten bzw. zu bringen. Dies ist auch für Kommunen interessant, die keine professionelle Aufnahme ihrer Wege haben. Die Wegeschauen sollen den Akteur*innen als Mittel zur Selbsthilfe dienen, um die vielschichtigen Probleme der ländlichen Infrastruktur und die damit verbundenen naturschutzfachlichen Anforderungen vor Ort zukünftig selbst lösen zu können. Im Idealfall entwickeln sich die Wegeschauen zu einem festen Bestandteil des jährlichen Lebensrhythmus der Dorfgemeinschaften und helfen so gleichermaßen den Erhalt der Infrastruktur sowie die Revitalisierung und die Erhaltung der Wegeseitenräume zu sichern.

Als Anregung für Kommunen und Vereine findet sich hier ein Dokument zur Erfassung von Wegen und Wegrainen.

Erfassung von Wirtschaftswegen und Wegrainen

Partner*innen

Wichtige Kooperationspartner*innen für das Projekt sind durch die Allianz Ländlicher Raum vorhanden. Dieser Zusammenschluss der Vertreter für die Interessen ländlicher Räume besteht neben dem NHB aus dem Niedersächsischen Landkreistag (NLT), dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB) und der Akademie für den Ländlichen Raum (ALR). Über die Allianz hinaus wird auch die Weiterführung des Projektes erneut durch die im Vorgängerprojekt involvierten Beteiligten von der Ge-Komm GmbH - Gesellschaft für kommunale Infrastruktur sowie dem Büro Kon-Sys für umweltpsychologische Beratungsdienstleitungen begleitend unterstützt.

Weg mit angrenzendem Saumbiotop auf trockenem Standort und extensiv beanspruchten Nutzungsbereichen prägen das Landschaftsbild (Rehburg-Loccum, LK Nienburg/Weser). Foto: U.Hesse/NHB
 
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