Spurensuche Niedersachsen Digital

Der Niedersächsische Heimatbund e.V. startete am 1. November 2020 das Projekt Spurensuche Niedersachsen Digital mit dreijähriger Laufzeit. Mit dem Projekt werden digitale Eingabe- und Schulungsmöglichkeiten für die Erfassung Historischer Kulturlandschaftsteile in Niedersachsen geschaffen und deren Anwendung begleitet. Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU) unterstützt das Vorhaben mit 198.000 €. Die interdisziplinär zusammengesetzten Fachgruppen des NHB leisten fachliche Begleitung und inhaltliche Unterstützung.

Kooperationspartner sind das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD) als Betreiber der Denkmaldatenbank (ADABweb) und des Digitalen Denkmalatlas (DDA), der Landschaftsverband Südniedersachsen e.V. als regionaler Kulturförderer und Bildungsträger der Ortsheimatpflegerinnen und -pfleger, sowie die KIG Kulturlandschaft und Informatik GmbH als Betreiber der Kulturlandschaftserfassungs-Plattform KLEKs

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Kulturlandschaftserfassung in Niedersachsen

Bereits seit 1999 erfasst der Niedersächsische Heimatbund e.V. (NHB) unter Mitwirkung ehrenamtlicher Personen aus seinen Mitgliedsverbänden historische Kulturlandschaftsteile und inventarisiert sie mit dem Ziel, ihrem schleichenden Verlust entgegenzuwirken.

Etwa 3.200 Kulturlandschaftsteile wurden dem NHB seitdem in Form analoger Erfassungsbögen gemeldet. Der überwiegende Teil wurde bereits in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem NLD in die verwaltungsinterne ADABweb übertragen und steht somit zukünftig bei Planungsvorhaben zur Verfügung. Über den öffentlich zugänglichen Digitalen Denkmalatlas des Landes Niedersachsen (DDA) sollen ausgewählte Kulturlandschaftsteile in Zukunft auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden.

Dieses Biotop verdankt seine Entstehung dem Lehmabbau einer nahen Ziegelei im Landkreis Celle.

Der Erhalt von historischen Kulturlandschaftsteilen, die an der Schnittstelle zwischen Natur- und Kulturdenkmal einzuordnen sind, leistet einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung des Naturhaushaltes und des Landschaftsbilds, denn es handelt sich dabei meist um strukturgebende und vernetzende Elemente (Alleen, Hecken und Wege), Kleingewässer (ehemalige Ton- oder Rottekuhlen) oder andere artenreiche Biotope.

Die Erfassung historischer Kulturlandschaftsteile durch Ehrenamtliche fördert zudem die lokale Identität und sensibilisiert das Bewusstsein für Erhaltens- und Schützenswertes. Überdies tragen häufig nur die profunde Ortskenntnis, lokale Präsenz und die Kontakte der lokalen und regionalen Akteure dazu bei, schützenswerte Objekte in der Landschaft auffinden, erkennen und erhalten zu können.

Was sind Historische Kulturlandschaftselemente?

„Historische Kulturlandschaftsteile sind sichtbare ortsfeste historische Teile oder kleine Flächen der Kulturlandschaft, die von früheren Gesellschaften aufgrund damals geltender Verhältnisse geschaffen wurden, z.B. Lesesteinwälle, Wölbäcker, Furten, Grenzsteine, Streuobstwiesen, Rottekuhlen, Rieselwiesen oder Ackerterrassen. Sie können das Ergebnis einer gezielten Anlage (z.B. Stauwehr) oder „nebenbei“ entstanden sein (z.B. Hohlweg). Viele historische Kulturlandschaftsteile sind auf bestimmte Regionen beschränkt, weil sich frühere Generationen den naturräumlichen Gegebenheiten stärker als heute anpassen mussten, z.B. Wiesenbewässerung zur Düngung nährstoffarmer Geestgebiete, Wurten und Deiche entlang der See- und Flussmarschen, Wallhecken und Heiden in der Geest, Plaggenesche in Westniedersachsen oder Torfstiche in Moorgebieten“ (Wiegand, Christian: Spurensuche in Niedersachsen – Historische Kulturlandschaften entdecken. Hannover, 2002).

 

Kulturlandschaftserfassung durch ehrenamtliche Melder

Der NHB bemüht sich mit dem Projekt Spurensuche Niedersachsen Digital um die Fortführung der Dokumentation von historischen Kulturlandschaftsteilen, denn aus Unwissenheit werden bei Planungsprozessen immer noch viele kulturhistorische Spuren durch Überbauung zerstört.

Das Projekt hat zum Ziel, die Erfassung von Kulturlandschaftsteilen in die Gegenwart der „Digitalität“ zu transferieren, indem verstärkt digitale Möglichkeiten genutzt werden, um die Erfassungsarbeit durch ehrenamtlich Engagierte zu erleichtern und zu verstetigen. Die ehrenamtlichen Erfasser werden vor Ort in zweitägigen Seminaren, bestehend

Dieser Erdwall begrenzte das herrschaftliche Hasengehege am ehemaligen Jagdschloss Weyhausen/Ldkr. Celle.

aus einem Theorie- und Datenbankteil sowie einem Exkursionstag geschult. Begleitend werden entsprechende digitale Angebote (Dokumente, Tutorials und Erklärvideos, Foren) bereitgestellt. Der weitere Austausch zwischen den Akteuren erfolgt via Online-Forum

im HeimatNetz des NHB. Im Verlauf des Projektes sollen 3 bis 5 Modellregionen gefunden werden, in denen entsprechende Schulungen stattfinden. Begonnen wird im Landkreis Göttingen.

Anstelle der altgedienten papierenen Fragebögen wird eine im Rahmen des Projektes entwickelte Erfassungs-App die ehrenamtlichen Erfasser in die Lage versetzen, mit Smartphone oder Tablet Vor-Ort-Aufnahmen von Kulturlandschaftselementen, auch fotografisch und georeferenziert, durchzuführen. Als Grundlage für die Erfassungs-App wird das bereits bewährte Erfassungssystem „Kulturlandschaftselementekataster KLEKs“ (www.kleks-online.de) dienen. Die eingegebenen Objekte werden nach einer Überprüfung in die Landesdenkmaldatenbank ADABweb übertragen und stehen somit perspektivisch auch für den digitalen Denkmalatlas (DDA) zur Verfügung.

 

Zielgruppen und Ergebnisse

Das Projekt richtet sich in erster Linie an kulturhistorisch und/oder naturkundlich interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich für den schonenden und bewussten Umgang mit Kulturlandschaft und Geschichte ihrer Heimat engagieren und zum nachhaltigen Schutz von Kulturlandschaftsteilen und des Landschaftsbildes beitragen wollen.

Die digital erfassten Kulturlandschaftsteile nutzen der interessierten Öffentlichkeit, indem sie Erholungssuchenden und Touristen als Grundlage für ihre Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Natur und Landschaft dienen, aber auch Ausflugs- und Bildungsprogramme planenden Touristikern sowie Schulen und Bildungsträgern wie VHS oder LEB Hilfen und Grundlagen für ihre Angebote liefern. Die in der KLEKs-Datenbank erfassten Objekte sind u.a. über das HeimatNetz des NHB öffentlich zugänglich und perspektivisch über den digitalen Denkmalatlas Niedersachsen.

Untere Natur- und Denkmalschutzbehörden, Forst-, Bau- und Planungsverwaltungen, Ratsmitglieder, privatwirtschaftliche Planungsbüros sowie Forschungseinrichtungen, die als Arbeitsinstrument behördliche Erfassungssysteme für Planungsprozesse z.B. in Raumordnungsverfahren oder bei Bauvorhaben nutzen, können zukünftig digital erfasste Kulturlandschaftsteile berücksichtigen und ggf. zur Sicherung des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes erhalten.

Kulturhistorische Wanderung am Tag des offenen Denkmals.

Im Verlauf des Projektes sollen zusätzliche regionale Kooperationspartner gefunden werden.  andschaftsverbände sowie Kreisheimatbünde und interessierte Heimatvereine spielen eine entscheidende Rolle als Vermittler vor Ort und bei der Suche nach Interessierten und der Motivation von ehrenamtlichen Meldern. Für die Entwicklung des virtuellen Lernorts wird u.a. eine Zusammenarbeit mit Trägern der Erwachsenenbildung und Hochschulprojekten angestrebt.

Zum Abschluss des Projektes wird es eine Fachtagung geben, bei der die Ergebnisse des Projektes der Öffentlichkeit vorgestellt werden, mitwirkende Ehrenamtliche von ihren Erfahrungen berichten und sich die Beteiligten mit Fachleuten zum Thema austauschen können. Die Projektergebnisse sowie die Tagungsbeiträge sollen abschließend als Dokumentation publiziert werden, um das Konzept auch in anderen Regionen vorstellen und weitere Personenkreise für das Thema interessieren zu können.

 

 

 

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