Verkehr

Allee

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Ein- oder beidseitig von Bäumen gesäumte Straße oder Weg. Im Idealfall besteht eine Allee aus Bäumen gleicher Art und gleichen Alters, bei alten Alleen kann die Einheitlichkeit durch Nachpflanzungen beeinträchtigt sein.

 

Kulturgeschichte:

Alleen fanden v. a. in der barocken Gartenkunst Frankreichs Verwendung und setzten sich auch in den Gärten und Parkanlagen Deutschlands durch. Besonders starke Verbreitung als Begleitung öffentlicher Straßen erfuhren sie seit Ende des 18. Jahrhun­derts durch die Anlage von Chausseen. Nach französischem Vorbild wurde dadurch die Straße, die früher oft als paralleler Spurstrang quer durch die Landschaft verlief, in ihrem Verlauf festgelegt. Zugleich dienten die Alleebäume zur Beschattung und Entwässerung der Fahrbahn. Ab 1800 waren Alleen außerdem wichtige Elemente der Landschaftsverschönerung, wodurch Landesherren das Erscheinungsbild ihrer Territorien aufzuwerten versuchten, Außerdem sollten Alleen wichtige Orte wie Schlösser, herrschaftliche Güter oder bedeutende Bauernhöfe in der Landschaft betonen. Die Wahl der Baumart orientierte sich an gestalterischen und funktionalen Gesichtspunkten (z. B. Obstbäume zur Versorgung), passte sich aber auch den standörtlichen Gegebenheiten an (z. B. Linden in Bördegebieten, Birken in der Geest).

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Viele historische Alleen sind dem Ausbau ehemaliger Chausseen und Landstraßen zum Opfer gefallen.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Besonders markante Alleen werden in Einzelfällen von den Naturschutzbehörden erfasst und ggf. unter Schutz gestellt, z. B. als Naturdenkmal oder als geschützter Landschaftsbestandteil. Auch die Denkmalbehörden können einzelne Alleen von besonderer kulturgeschichtlicher Bedeutung ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufneh­men, v. a. in Verbindung mit denkmalgeschützten Gebäuden. Daneben bleiben viele histo­ri­sche Alleen unberücksichtigt. Sie sollten mit Angabe ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Küster (1995), SDW (o. J.)

Obstbaumallee Oldendorf, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)


Lindenallee Friedhof Neuenkirchen, Ldkr. Heidekreis (Foto: Florian Friedrich)

Bahnhof

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Bahnhöfe mit ihren Empfangsgebäuden dienen Eisenbahnreisenden zum Ein- und Aussteigen bzw. als Aufenthaltsort bei Wartezeiten. Sie zeigen unterschiedliche Größenordnungen und typologischen Formen, abhängig von den zu erschließenden Orten, der Trassenführung und der Gleisanlage. Sehr kleine Bahnhöfe, bei denen ein Empfangsgebäude fehlt, werden als Haltepunkte bezeichnet.

 

Kulturgeschichte:

Bahnhöfe werden seit Beginn des Eisenbahn­wesens entlang der Strecken in oder in der Nähe von Ortschaften errichtet. Die ältesten Exemplare stammen aus den 1830er Jahren, ein Großteil der Bauten aus dem weiteren Verlauf des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In der Nachkriegszeit sind nur noch wenige Bahnhöfe (50er/60er Jahre) neu errichtet worden. Weil sie neben funktionalen auch repräsentative Zwecke zu erfüllen hatten, sind sie oft eindrucksvolle Zeugnisse der Baugeschichte. Beispiele verschiedener Baustile sind die Bahnhöfe in Vienenburg (Klassizismus), Wunstorf (Rundbogenstil), Nordstemmen (Neogotik/ Hannoversche Schule), Hannover (Historismus), Oldenburg (Jugendstil) und San­de (20er/ 30er Jahre).

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Landesweit entlang aktueller oder historischer Bahnlinien

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Empfangsgebäude an Bahnhöfen werden i. d. R. von der Baudenkmalpflege erfasst und sind als wesentliche Elemente des Eisenbahnwesens vielfach unter Schutz gestellt.

 

Literaturtipps: Baumgart & Knotz (1983)

Ehem. Bahnhof Delmsen/Neuenkirchen, Ldkr. Heidekreis (Foto: Florian Friedrich)

Ehem. Kleinbahnbahnhof Esens, Ldkr. Wittmund (Foto: Axel Heinze)

Brücke

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Brücken sind Bauwerke, die einen Verkehrsweg o. ä. (z. B. Eisenbahn, Weg, Straße, Rohrleitung) über ein Hindernis führen, z. B. ein Gewässer, eine Talniederung oder einen anderen Verkehrsweg. Nach ihrem Baumaterial lassen sie sich in Holz- Stein-, Stahl- und Betonbrücken gliedern, nach ihrem Konstruktionsprinzip z. B. in Bogen-, Balken-, Platten-, Hänge- oder Rahmenbrücken. Neben festen Brücken gibt es bewegliche wie Dreh-, Hub-, Zug-, Klapp-, Roll- oder Schiebebrücken. Zu unterscheiden sind Brücken von ehemals gemauerten, heute aus Betonrohren bestehenden Durchlässen, durch die Gräben o. ä. unter Verkehrswege hindurchgeleitet werden.

 

Kulturgeschichte:

Während  Furten und  Fähren als früheste Hilfsmittel zum Überqueren eines Gewässers wegen schlechter Witterung zeitweilig unbrauchbar waren, ermöglichten Brücken eine ganzjährige Benutzung. Sie sind wertvolle Zeugnisse der Verkehrsgeschichte und spiegeln die Entwicklung der Ingenieurbaukunst wider.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Brücken sind landesweit verbreitet. Besondere Beachtung verdienen regionale Brückentypen (z. B. die ostfriesische Lohne, ein Steg über einen Graben zwischen zwei Häusern), die aufgrund ihrer speziellen Bauart zur Eigenart einer Landschaft beitragen können.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Brücken werden in vielen Fällen von der Baudenkmalpflege erfasst und ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen. Vor allem Brücken in der freien Landschaft oder an unbedeutenden Verkehrswegen sowie Relikte von Brücken (z. B. Brückenköpfe) können dabei übersehen werden und sollten dem NHB gemeldet werden.

Relikte Kleinbahn Neuenkirchen, Ldkr. Heidekreis (Foto: Florian Friedrich)

Brücke und Schleuse eines ehem. Bewässerungsgrabens, Hohne, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Klappbrücke Worpswede, Ldkr. Osterholz (Foto: Gerhard Friedrich)

Kleinbahn-Brücke Langefelder Tief, Ldkr. Aurich (Foto: Axel Heinze)

Kleinbahn-Brücke Benser Tief, Ldkr. Wittmund (Foto: Axel Heinze)

Einrichtungen an Straßen

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Hier werden alle historischen Gebäude und Anlagen zusammengefasst, die in direkter Nähe zu einer Straße liegen und zu ihr in unmittelbarem funktionalen Zusammenhang stehen, Beispiele siehe Kulturgeschichte.

 

Kulturgeschichte:

Nach Funktion und Bauart unterscheidet man z. B.:

  • Zollhaus, Wegezollhaus oder Grenzzoll zur Einnahme von Straßenbenutzungs- und Zollgebühren; i. d. R. nahe einer (historischen) Grenze gelegen.
  • Gasthaus, Raststätte, Krug oder Ausspann zur Bewirtung Reisender, ggf. auch zur Versorgung der Pferde.
  • Posthof, -station, Post- bzw. Pferdehalterei oder Relaisstation zum Vorhalten und Wechseln von Pferden, ggf. auch zur Bewirtung Reisender; i. d. R. in regelmäßigem Abstand von rund 20 km zueinander gelegen.
  • Straßenwärterhaus als Unterkunft für Personal und zur Lagerung von Material zur Stra­ßenwartung, oft mit einem zur Straße hin ausragenden Erker.
  • Tankstelle zur Versorgung mit Treibstoff.
  • Ruhebank aus Holz oder behauenem Stein als Rastplatz.
  • Wegweiser, Stundenkreuze, Meilensteine oder Leitpfosten zur Angabe der Fahrt- oder Gehrichtung bzw. -zeit. Separat beschrieben sind  Kreuzsteine bzw. Steinkreuze.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Landesweit entlang von Straßen, die früher überörtliche Bedeutung hatten.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische straßenbegleitende Gebäude und Anlagen sind oft in historischen Karten verzeichnet. Hervorragende Gebäude werden von der Baudenkmalpflege i. d. R. erfasst; abseitige und unscheinbarere Gebäude und kleinere Einrichtungen jedoch oft übersehen. Objekte mit kulturgeschichtlicher Bedeutung sollten dem NHB gemeldet werden. Rund 80 Meilensteine hat die „Forschungsgruppe Meilensteine“ in Niedersachsen erfasst.

 

Literaturtipps: Möller (1984)

Gedenkstein Erster Verkehrstoter Niedersachsens, Celle (Foto: Florian Friedrich)

Tankstelle Hess. Oldendorf, Ldkr. Hameln (Foto: Christian Wiegand)

Meilenstein an B3, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Ehem. Pferdestall an der B3 in Wolthausen, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Eisenbahngebäude

Merkmale, Morphologie, Typologie und Kulturgeschichte:

Hier werden solche Gebäude zusammengefasst, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Eisenbahnbetrieb stehen (außer  Bahnhof). Nach Funktion und Bauweise lassen sich unterscheiden:

  • Lokschuppen: Gebäude zum Abstellen und Warten von Lokomotiven. Ihre Größe reicht vom kleinen Gebäude für eine Lokomotive über die mehrständige rechteckige Anlage bis zum großen Ringlokschuppen mit einer in der Mitte gelegenen Drehscheibe. Lokschuppen sind i. d. R. zusammen mit der gesamten Eisenbahnanlage (seit 1830er Jahre) entstanden.
  • Güterschuppen: Anlage zum Umschlag bzw. zur Lagerung von Gütern, die auf der Eisenbahn transportiert werden. Meist sind Güterschuppen Teile oder Nebengebäude von (Güter )Bahnhöfen. Die ältesten Anlagen stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
  • Stellwerk: Auf freier Strecke oder an Bahnhöfen gelegene Gebäude zur ferngesteuerten Bedienung von Signalanlagen und Weichen. Meist sind Stellwerke zweigeschossig, wobei im Obergeschoss das Bedienpersonal und im Untergeschoss die Steuerungstechnik untergebracht ist. Stellwerke fanden erstmals in England zum Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Anwendung und verbreiteten sich danach im übrigen Europa. Das erste Stellwerk in Niedersachsen ist im Bereich des Bahnhofs Börßum im Landkreis Wolfenbüttel um 1870 nachzuweisen. Die heute noch erhaltenen ältesten Stellwerke stammen aus der Zeit der Jahrhundertwende und arbeiten noch mit einer rein mechanischen Technik (Hebelwerke mit Gegengewichtseinrichtungen). Die Nachfolgegeneration der 1920er und 1930er Jahre benutzt bereits die elektromechanische Schalttechnik, während moderne Stellwerke rein elektrisch bzw. elektronisch funktionieren.
  • Bahn-/ Schrankenwärterhaus: In der Regel kleinere Gebäude („Häuschen“), die in regel­mäßigen Abständen entlang der Eisenbahnstrecke bzw. an Bahnübergängen errichtet wurden. Bahn- bzw. Schrankenwärterhäuser dienten der Sicherung von Streckenabschnitten bzw. von Übergängen und waren während des Bahnbetriebes ständig mit Personal besetzt. Sie zählen mit zu den ersten Eisenbahnbauten, weil sie für die Sicherheit entlang der Strecke wichtig waren. Mit Weiterentwicklung der Eisenbahntechnik (Te­legraphie, Elektrizität) sind sie in vielen Fällen überflüssig geworden.

 

Kulturgeschichte:

siehe Merkmale

Vorkommen/ Verbreitung:

Stellwerke, Lok- und Güterschuppen sind in ihrem Bestand i. d. R. Regel landesweit verbreitet. Die Zahl der Bahn- und Schrankenwärterhäuser geht deutlich zurück.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Eisenbahnbetriebsgebäude sind in vielen Fällen von der Baudenkmalpflege erfasst worden, v. a. innerhalb von Siedlungen. Abseitige Gebäude (v. a. Bahn- und Schrankenwärterhäuser, in Einzelfällen auch Stellwerke) an Neben-, Klein- oder stillgelegten Bahnstrecken kön­nen dabei übersehen worden sein und sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: zu Stellwerken: Preuß (1996)

Lokschuppen am Eisenbahnwerk Bodenwerder, Ldkr. Holzminden (Foto: Hilko Linnemann)

Eisenbahnwerk Bodenwerder, Ldkr. Holzminden (Foto: Hilko Linnemann)

Eisenbahntrasse

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Anlage zur Aufnahme des Schienenstranges für die Eisenbahn. Trassen können in unterschiedlichen Geländetopographien verlaufen (Flachland, Gebirge). Weil bevorzugt gerade verlaufende Abschnitte, sehr große Kurvenradien ohne große Steigungen angelegt werden, sind die Trassen z. T. mit künstlichen Taleinschnitten, Dammaufschüttungen,  Brücken bzw. Viadukten und  Tunneln verbunden. Diese Elemente sind gleichzeitig die landschaftsprägenden Teile einer Eisenbahntrasse.

 

Kulturgeschichte:

Eisenbahntrassen und die damit verbundenen Elemente (s.o.) gibt es seit Beginn der Eisenbahnanlage in den 1830er Jahren. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Eisenbahnnetz so weit verdichtet, dass die wichtigsten Strecken eingerichtet waren, nur vereinzelt kamen in den 1920er, 1930er und 1950er Jahren weitere Strecken hinzu. Verstärkt seit den 1960er und 1970er Jahren begann bereits der Abbau historischer Eisenbahntrassen, die z.T. nur noch in Rudimenten vorhanden sind. Es gab auch separate, nicht mit dem Streckennetz in Verbindung stehende Eisenbahntrassen (Klein- und Feldbahnen), z. B. zum Gütertransport beim Bodenabbau oder zum Holztransport (Waldbahn).

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Eisenbahntrassen sind im gesamten niedersächsischen Raum, jedoch in unterschiedlicher Dichte anzutreffen.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Eisenbahntrassen werden in Gänze nur vereinzelt von der Baudenkmalpflege erfasst. Als Zeugnis der Technikgeschichte sowie der Orts- und Regionalgeschichte sollten stillgelegte Strecken und ihre sichtbaren Relikte dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Meyer (1993)

Damm für Schmalspurbahn, Suedwinsen, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

ehemaliger Bahndamm Neuenkirchen, Ldkr. Heidekreis (Foto: Florian Friedrich)

Bahndamm der ehemaligen Kleinbahn Bensersiel-Middels, Ldkr. Wittmund (Foto: Axel Heinze)

Hektometerstein Kleinbahn, Gemeinde Esens, Ldkr. Wittmund (Foto; Axel Heinze)

Fähre

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Schwimmende Verbindung zum Überqueren eines Flusses. Dauerhafte Fähreinrichtungen in der Landschaft sind Anlegestellen (flach ins Wasser auslaufende Wege) und Fährhäuser. Je nach Antriebsart unterscheidet man Motorfähren und Fähren, die gesegelt, gerudert oder an einem Drahtseil befestigt mit Hilfe der Strömung (Kabel-, Schwebe- oder Gierfähren) den Fluss überqueren.

 

Kulturgeschichte:

Die ersten Flussfähren sind bereits aus dem Altertum bekannt. Bei Eisgang, Sturm und Hochwasser musste der Fährverkehr zeitweilig eingestellt werden, bei zugefrorener Eisdecke stellte der Fährmann eine befahrbare Eisbahn her. Im 20. Jahrhundert wurden die meisten durch Motorfähren und Brücken ersetzt. Eine Besonderheit ist die 1909 erbaute Schwebefähre über die Oste bei Osten (Landkreis Cuxhaven), eine 30 Meter hohe Stahlkonstruktion mit elektrisch betriebenem Fährkorb.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Fähren wurden häufig auf breiteren Flüssen und Strömen eingesetzt, wo die Anlage von Brücken zu kostspielig war. In Betrieb befindliche Anlagen bzw. Re­likte sind an Weser und Elbe bekannt.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Fährhäuser und Anlegestellen sind nur in Einzelfällen von den Denkmalbehörden erfasst und sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Brandt (1993), Historische Zeitschrift Der Fährmann

Fähre Wahmbeck, Ldkr. Northeim (Foto: Christian Wiegand)

Flugplatz

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Anlage zum Verkehr von Flugzeugen. Sichtbare Relikte historischer Flugplätze können Rollbahnen (Betonfundamente oder Schneisen) und Gebäude (Ruinen) sein.

 

Kulturgeschichte:

Flugplätze sind zu zivilen und zu militärischen Zwecken angelegt worden. Insbesondere Anlagen aus dem I. und II. Weltkrieg können aufgegeben und verfallen sein. Historische Flugplätze erlangen als Zeugen der Technik- und der Militärgeschichte zunehmend Bedeutung.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

landesweit

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Flugplätze bzw. ihre Relikte wurden bislang nur in Einzelfällen von der Baudenkmalpflege erfasst und sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps:

Deutsche Luftfahrt Zeitung (1914), Ries, K. & Dierich, W. (1993)

Zisterne Feldflugplatz Hustedt, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Betonierte "Rollbahn" Feldflugplatz Hustedt, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Seilbahn

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Beförderungsmittel für Menschen oder Güter, bei dem Gondeln oder Loren an Drahtseilen frei in der Luft hängend (Luft-Seilbahn) oder von Draht-seilen auf Schienen gezogen werden (Stand-Seilbahn). Die wesentlichen landschaftlichen Bestandteile einer Seilbahn sind Stationsgebäude, Gleise, Pfeiler und Schneisen.

 

Kulturgeschichte:

Die erste deutsche Seilbahn war eine mit Naturseilen betriebene Gondelbahn in Danzig (1644). Bedeutung erlangten Seilbahnen aber erst mit Erfindung des Drahtseils zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Am bekanntesten ist ihre touristische Funktion als Verkehrsmittel im Bergland, z. B. am Burgberg in Bad Harzburg. Häufiger kamen jedoch Transportseilbahnen zum Einsatz, v. a. beim Abbau von Rohstoffen wie Bruchstein, Lehm oder Ton. Wenn die Beladestation oberhalb der Entladestation lag, kam die Seilbahn mit einem schwachen Motor aus. Viele Transportseilbahnen sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stillgelegt worden.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Seilbahnen sind v. a. in Lagerstättenabbau- oder in Tourismusgebieten zu erwarten.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Seilbahnen werden nur in Einzelfällen von der Baudenkmalpflege erfasst. Als Zeugnis der Technikgeschichte oder als Hinweis auf historischen Lagerstättenabbau sollten sie bzw. ihre Relikte dem NHB gemeldet werden.

Burgberg Seilbahn Bad Harzburg, Ldkr. Goslar (Foto: Gerhard Friedrich)

Straße

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Verkehrsverbindung; im Gegensatz zum  Weg ist die Straße i. d. R. befestigt und von höherer Bedeutung. Historische Straßen lassen sich anhand ihrer Funktion (siehe Kulturgeschichte) oder anhand ihres Materials (Natur-, Ziegel- oder Kopfsteinpflasterstraßen, siehe Abb. Kap. 1.4.2) gliedern. Sie können in aktuell genutz­te und modern gestaltete Straßen übergegangen sein oder als Relikte in der Landschaft erhalten sein (z. B. als  Hohlwege)

 

Kulturgeschichte:

Historische Straßen des Mittelalters muss man sich weniger als befestigte Wege sondern eher als Trasse paralleler Wegespuren vorstellen. Erst in der Neuzeit wurden die Fahrbahnen allmählich befestigt und die Straßenverläufe festgelegt. Straßen lassen sich nach ihrer Entstehungsgeschichte und Funktion gliedern in. Beispiele:

  • Handelsstraße, z. B. der Ochsenweg zum Transport von Rindern von Schleswig-Holstein in die Niederlande, der HelIweg von Köln über Soest, Hildesheim, Magdeburg nach Berlin (die heutige Bundesstraße 1) oder der Hellweg up de Sandforde von Minden nach Hil­desheim
  • Post- und Heerstraße als neuzeitliche Straßenverbindung bedeutender Städte
  • Chaussee (in Frankreich entwickelte, geradlinig und in Dammlage gebaute und zumindest teilweise gepflasterte und von einer  Allee gesäumte Hauptverkehrsstraße des 18. und 19. Jahrhunderts)

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Historische Straßen sind landesweit verbreitet.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Straßen im ländlichen Raum, die in ihrem Trassenverlauf, ihrer Gestalt (z. B. Chaussee, Hohlweg) und ihrem Material dem historischen Bild weitgehend entsprechen, sollten dem NHB gemeldet werden. Sie werden bislang nur in Einzelfällen von den archäologischen Denkmalbehörden erfasst und vom NLD ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen. Historische Straßen innerhalb geschlossener Siedlungen (z.B. Promenaden) sind dagegen Gegenstand der Baudenkmal­pflege.

 

Literaturtipps: Denecke (1969)

Kopfsteinpflasterstraße Wiekenberg - Fuhrberg, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Asphaltierte alte Klinkerstraße mit Sommerweg, Abikhafe, Ldkr. Leer (Foto: Axel Heinze)

Klinkerstraße von Nesse nach Coldinne alte Marsch, Ldkr. Aurich (Foto: Axel Heinze)

Tunnel

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Tunnel sind künstlich hergestellte Hohlräume von größerem, in der Regel röhrenförmigem Querschnitt, die unter der Erdoberfläche horizontal oder leicht geneigt angelegt sind und der sicheren und ungehinderten Durchführung von Verkehrswegen oder Leitungen (z. B. in Steinbrüchen) dienen. Zur Stützung der Frontböschungen der Voreinschnitte und zum Schutz gegen Steinschlag sind an den Mundlöchern in der Regel Portale ausgebildet, die insbesondere bei Eisenbahntunneln aufwendige Architekturformen aufweisen.

 

Kulturgeschichte:

Schon mit Beginn des Eisenbahnwesens waren zumindest in gebirgigen Abschnitten Tunnel erforderlich. In Niedersachsen treten aufgrund der Topographie nur in Teilbereichen (Harz, Solling, Weserbergland) historische Eisenbahntunnel auf, die aus der jeweiligen Zeit dieser Streckenanlagen stammen (etwa 1870er/80er Jahre).

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Tunnel kommen naturgemäß nur im Bergland vor, in Niedersachsen also nur vereinzelt.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Die in Niedersachsen vorhandenen Tunnel an Eisenbahnstrecken sind in der Regel von der Baudenkmalpflege erfasst.

Weg

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Ein Weg (auch Pfad oder Pad, in Ostfriesland auch Wedel oder Specken) ist eine Verkehrsverbindung, die im Gegensatz zur  Straße eher dem untergeordneten, nicht motorisierten Verkehr dient. Wege lassen sich anhand äußerer Merkmale wie Lage, Verlauf, Befestigungsmaterial oder Ausprägung gliedern:

  • Hohlweg: eine vertiefte Wegespur, die sich durch fortwährende Benutzung und Erosion v. a. in bergigem Gelände bildet. Die Steilheit und Höhe der Seitenwände hängen ab vom Alter und von der Bindigkeit des Bodens. Hohlwege oder Wegespuren (Wagengeleise) können im parallel verlaufenden Verband auftreten (Hohlwegbündel, Spurenstrang) und sind dann häufig Relikte einer besonders alten Wegeverbindung.
  • Höhen-, First- bzw. Fastweg: mittelalterlicher überörtlicher Verbindungs- oder Handels-weg, der zum Schutz vor Überfällen und zur Umgehung feuchter Niederungen über Hö­henrücken verlief.
  • Bohlenweg: im Moorboden konservierter, mit Holzbohlen befestigter Weg durch ein Moor (Jungsteinzeit bis Spätmittelalter).
  • Sommerweg: aus Gründen der Sparsamkeit unbefestigt belassene Hälfte einer Straße, die nur bei gutem Wetter befahrbar ist; Vorkommen v. a. in den Geestgebieten.
  • Gasse: Fußweg innerhalb einer Siedlung

 

Kulturgeschichte:

Abhängig von ihrer (historischen) Funktion unterscheidet man z. B.

  • Treidelpfade bzw. Treppelwege an Flussufern, um Schiffe zu treideln, d. h. flussaufwärts zu ziehen,
  • Kirchwege und  Kreuzwege,
  • Heer- oder Kolonnenwege für militärische Zwecke,
  • Helmer, eine ostfriesische Bezeichnung für einen Weg, der von einer am Geestrand hinziehenden Straße abzweigt und quer dazu ins Moor oder in die Marsch führt
  • Wege zum Transport von Gütern oder Vieh (z.B. Salz-, Erz- oder Ochsenweg).

Viele historische Wege wurden im 18. und 19. Jh. in  Chausseen oder  Straßen überführt oder durch diese ersetzt.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Historische Wege sind v. a. in Wäldern noch relikthaft erhalten.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Von den oben genannten Wegetypen werden Bohlenwege systematisch von den archäologischen Denkmalbehörden erfasst. Andere historische Wege sind bei den Behörden nur in Einzelfällen bekannt. Exemplare mit kulturgeschichtlicher Bedeutung, die in Gestalt, Material, Wegeführung oder -verlauf eine weitgehend historische Ausprägung aufweisen, sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Denecke (1969)

Hohlweg Hasbergen, Ldkr. Osnabrück (Foto: Christian Wiegand)

Hohlweg Rohden, Ldkr. Hameln (Foto: Christian Wiegand)

Hohlweg Segelhorst, Ldkr. Hameln (Foto: Christian Wiegand)

Knopfmacher-Helmer von Straße Neugaude bis ins Nordmoor, Ldkr. Wittmund (Foto: Axel Heinze)

Wrack

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Gesunkenes, gestrandetes oder auf andere Weise unbrauchbar gewordenes Schiff.

 

Kulturgeschichte:

Wracks sind seltene Zeugnisse der Schifffahrtsgeschichte. Sie können örtlich die Eigenart der Küstenlandschaft prägen, z. B. das Wrack an der Ostspitze von Norderney.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Dort, wo Wracks eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen, werden sie geborgen. An sicherer Stelle oder als bewusste Markierung von Gefahrenstellen können einzelne Wracks an der Nordseeküste und an Flussufern zu finden sein.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

In der freien Landschaft gelegene Wracks sollten dem NHB gemeldet werden.

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