Presse

Pressemitteilung                                                       Hannover, 28. August 2019

 Aufruf zur Bürgerbeteiligung
Die ROTE MAPPE 2020 des NHB

Die ROTE MAPPE ist der Jahresbericht zur Situation der Heimatpflege in Niedersachsen. Sie ist ein einzigartiges Instrument der direkten Demokratie, mit der Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen die Möglichkeit haben, in den Dialog mit der Landesregierung zu treten.

Seit 1960 nimmt der NHB Anregungen, Kritik und Lob zu allen Bereichen der Heimatpflege auf und stellt sie in der ROTEN MAPPE zusammen. In der Festversammlung des Niedersachsentages, 2020 am 23. Mai in Wildeshausen, wird sie dem Ministerpräsidenten des Landes vom Präsidenten des NHB überreicht. Die Landesregierung beantwortet sie mündlich und mit der WEISSEN MAPPE schriftlich. Damit bietet die ROTE MAPPE eine Plattform, um die Öffentlichkeit und die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft zu informieren und Fehlentwicklungen zu stoppen!

Jede Bürgerin und jeder Bürger in Niedersachsen kann Probleme melden, Fragen stellen oder sich positiv über eine Entwicklung äußern, die die Heimatpflege in Niedersachsen betreffen. Der NHB sammelt die Hinweise und recherchiert die Zusammenhänge. Die daraus entstandenen Beiträge werden in den zuständigen Fachgruppen von Experten diskutiert und danach dem Präsidium zur abschließenden Entscheidung übergeben. Die Eingaben werden streng vertraulich behandelt.

Erbeten sind Texte zu grundsätzlichen Fragen, aber auch Einzelbeispiele mit exemplarischem Charakter. Wir versuchen alle Arbeitsfelder des NHB abzudecken: Den Denkmal-, Natur- und Landschaftsschutz, die Archäologie, die Geschichtsvermittlung, die Heimatkultur, die Pflege von Niederdeutsch und Saterfriesisch sowie das Museums- und Archivwesen. Gefragt sind möglichst kurze Textbeiträge mit klar formulierten Fragen. Weitere Erläuterungen (Quellennachweise, Fotos guter Qualität usw.) sollten dem beigefügt sein. Beispiele finden sich in früheren
ROTEN MAPPEN auf der Webseite www.heimatniedersachsen.de. Einsendeschluss ist der
31. Oktober 2019. Niedersächsischer Heimatbund e.V., An der Börse 5, 30159 Hannover,
Tel.: 0511/ 368 12 51, heimat@niedersaechsischer-heimatbund.de.

Abbildungen

1)         <Bonnus_Geburtshaus.JPG>  Bildunterschrift: Erfolg der ROTEN MAPPE 2017:
Rettung des Geburtshauses des Reformators Hermann Bonnus in Quakenbrück. Foto NHB.
2)         <steinmuehle_von_doelme.jpg>  Bildunterschrift: Problem in der ROTEN MAPPE 2019: Einmalige Natur- und Kulturlandschaft an der Oberweser in Gefahr! - FFH-Gebiet 124
Mühlenberg bei Pegestorf an der B 83. Foto Jörg Mitzkat.

verantwortlich: Thomas Krueger, NHB-Geschäftsführer

Mit den besten Grüßen
i.V. Thomas Krueger
- Geschäftsführer -

Niedersächsischer Heimatbund e.V.
An der Börse 5 - 6
30159 Hannover
Tel.: 0511-3681251
Fax:  0511-3632780

 

Pressemitteilung

Hildesheim, 18.5.2019

100. Niedersachsentag in Hildesheim
Niedersächsischer Heimatbund überreicht den Jahresbericht zur Heimatpflege

Auf der Festversammlung des diesjährigen, 100. Niedersachsentages in Hildesheim übergab der Präsident des Niedersächsischen Heimatbundes Prof. Dr. Hansjörg Küster am 18. Mai dem Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil die ROTE MAPPE 2019 des NHB. Schwerpunkte und Themen der ROTEN MAPPE sind u.a. die Anregung, im Rahmen des „Masterplan Digitalisierung Niedersachsen“ der Landesregierung ein „Portal zur Landeskunde“ zu schaffen, die Alleen in Niedersachsen besser zu schützen sowie beim Ausbau der ländlichen Wegenetze die Wegraine als wichtige Zonen zum Erhalt der Artenvielfalt einzubeziehen.

Weitere wichtige Themen sind dem Heimatbund im Bereich der Denkmalpflege die Bewahrung von Ehrenmalen und Grabkennzeichen für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft vor dem Verfall sowie die Rettung vom Verfall bedrohter bedeutender Bahnhofsgebäude wie in Nordstemmen oder Oldenburg. Ein Dauerthema des NHB ist leider noch immer die ungenügende Förderung der Regionalkunde im Schulunterricht, auch wenn die Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch und Saterfriesisch in den letzten Jahren einen höheren Stellenwert im Unterricht erhalten haben.

Die ROTE MAPPE ist der alljährliche Jahresbericht zur Heimatpflege, in dem sich der Niedersächsische Heimatbund NHB mit Anregungen, Lob und Kritik zu grundsätzlichen Problemen und Einzelfällen aus allen Teilbereichen der Heimatpflege an die Landesregierung, aber auch an die kommunalen Gebietskörperschaften wendet. Die nunmehr 60. ROTE MAPPE umfasst auf 34 Seiten einen allgemeinen Beitrag zur Vielschichtigkeit von Heimatvorstellungen, die ständig Kompromisse zwischen den Menschen mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen erfordern. Der Heimatbund stellt sich daher mit seiner weltoffenen Haltung gerade im Jahr der Europawahlen an die Seite der Republikanerinnen und Republikaner in der Völkerfamilie und hat sich sehr gern und früh der Initiative Niedersachsen für Europa angeschlossen.

In die aktuelle Debatte um die Digitalisierung schaltet sich der NHB mit einem umfassenden Beitrag zur Landes- und Regionalkunde in der virtuellen Welt ein. Es folgen zu größeren und kleineren Themen sieben Beiträge zum Natur- und Umweltschutz, vier zur Kulturlandschaft, sechs zur Denkmalpflege und einer zur Bodendenkmalpflege, außerdem zwei zur Regionalgeschichte und -kultur in ländlichen Räumen und im schulischen Unterricht sowie zwei zu Niederdeutsch und Saterfriesisch.

Die Landesregierung hat sich im Vorfeld des Niedersachsentages intensiv mit den angesprochenen Fällen befasst und in der WEISSEN MAPPE zu den Kritiken, Anregungen, Fragen und Forderungen, aber auch den lobenden Worten des NHB Stellung bezogen. Ministerpräsident Weil überreichte die WEISSE MAPPE dem Präsidenten des Niedersächsischen Heimatbundes, Professor Hansjörg Küster.

Der NHB macht vor allem auf die folgenden Beiträge zu den diesjährigen Schwerpunkten aufmerksam, die NHB-Präsident Hansjörg Küster in seiner Rede zur Übergabe der ROTEN MAPPE besonders berücksichtigte. Küster betonte zunächst, „jedes Jahr trifft sich der Niedersächsische Heimatbund, um Menschen zueinander zu führen, die sich ehrenamtlich für die Heimat einsetzen. Sie sind Experten in Sachen Heimatpflege, ein wahrer Think Tank. Viel von ihrem Wissen floss auch in diesem Jahr in die Rote Mappe ein, über die es zu einem fruchtbaren Dialog mit der Landesregierung gekommen ist.“

Im Umgang mit der Natur sieht der NHB immer wieder die Herausforderung, sich „für das zentrale Anliegen Naturschutz einzusetzen, dabei aber den Kompromiss mit Landnutzern zu suchen, vor allem mit den für den Forst Verantwortlichen und mit den Landwirten“, wie Küster betonte (Grundsatzartikel 201/19). Wie der notwendige Dialog gelingen könnte, sucht der NHB in seinen Projekten zum Schutz der Alleen (252/19) und zur ländlichen Wegestruktur (202/19) zu ermitteln und hofft auf Unterstützung des Landes. Aber auch der Moorschutz steht gerade nach dem verheerenden Moorbrand im Emsland im Fokus des NHB (204/19 und 205/19). Auch vor einer weiteren Belastung der Innerste durch Salzeinleitungen in die Innerste, die ohnehin schon durch den jahrhundertealten Harzbergbau mit Schwermetallen belastet ist, warnt der Heimatbund (207/19).

In Sachen Denkmalpflege nimmt der NHB erneut das Thema des würdevollen Erhalts der Gräber und Denkmale der NS-Opfer auf (301/19), für die sich der NHB mit der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Landesamt für Denkmalpflege einsetzt. „Wir machen auf ein Problem aufmerksam, das uns alle beschämen muss: Viele Grabstätten und Denkmäler, die an Opfer des NS-Regimes erinnern, sind in einem beklagenswerten Zustand“ so NHB- Präsident Küster, und warnt, „wir dürfen keineswegs zulassen, dass durch natürliche Verwitterung das Andenken an diese Menschen gelöscht zu werden droht“ (301/18). Der NHB begrüßt in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass sich Niedersachsen mit den anderen Bundesländern auf ein Verfahren geeinigt hat, das endlich auch den Erhalt der so sträflich vernachlässigten Gräber der verfolgten Sinti und Roma regelt (302/19).

In der Denkmalpflege verweist Küster auf den beklagenswerten Zustand der Bahnhöfe Nordstemmen und Oldenburg, bedeutende verkehrsgeschichtliche Denkmale, die von der Deutschen Bahn als einem staatlichen Unternehmen sträflich dem Verfall preisgegeben werden: „Wer unsere Arbeit seit Jahren verfolgt, weiß, dass wir diese beiden Sorgenkinder der Denkmalpflege keineswegs zum ersten Mal in einer Roten Mappe erwähnen“ (303/19.

Sorgen bereitet dem NHB auch der zunehmende Flächenverbrauch im Lande durch den verbreiteten Bau z.B. von großen Logistikzentren in Autobahnnähe, dem allzu oft wertvolle Natur- und Kulturflächen, aber auch Bodendenkmale zum Opfer fallen. So ist ein „Sorgenkind“ der Bodendenkmalpflege der markante Grabhügel Fachenfelde-Süd in der Gemeinde Stelle im Landkreis Harburg (351/19). Er ragt dort seit Jahrtausenden auf und ist nun einem sogenannten Logistiklager eines Lebensmitteldiscounters im Wege. Solche riesigen Lagerhäuser werden derzeit in großen Massen am Rand von Großstädten gebaut, und kleinteilige Elemente der seit Langem gewachsenen Landschaft werden dafür platt gemacht. Küster: „Muss das sein, so fragen wir uns? Und was ist wichtiger: ein Lagerhaus, von dem uns alle Erfahrung sagt, dass man es in einigen Jahrzehnten, vielleicht sogar schon in wenigen Jahren nicht mehr brauchen wird und ersetzen muss, verdrängt einen Identifikationspunkt der Landschaft, der dort schon seit sehr langer Zeit Orientierung schafft und der in einigen Jahrhunderten noch gebraucht werden wird!“

Beim Dauerthema des NHB, die Förderung der Regionalkunde im Schulunterricht (401/19), vermeldet der Präsident des NHB Positives: „Mit unserer Bitte, ihr mehr Gewicht beizumessen, sind wir beim Kultusminister auf offene Ohren gestoßen, wofür wir sehr dankbar sind. Aber es hängt noch immer sehr stark vom einzelnen Lehrer ab, ob er regionale Aspekte berücksichtigt oder nicht. Die Lehrer müssen während ihrer Ausbildung lernen, wie sie an Informationen über das nähere Umfeld ihrer Schulen herankommen.“ Dazu bedarf es geeigneter Lehrmaterialien, für die sich der NHB aktiv einsetzt. Doch müssen auch die Schulen in die Lage versetzt werden, den Besuch außerschulischer Lernorte in den Regelunterricht zu integrieren: „Schüler lernen dort aber gerade besonders viel!“ so Präsident Küster.

Die Regionalkunde, das Wissen um die eigene Lebenswelt, die eigene Heimat ist aber gerade heute so wichtig, wo in der globalisierten Welt viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebens- und Kulturzusammenhängen gewollt oder ungewollt zueinander kommen. „Dabei müsste sich eigentlich die Erkenntnis durchsetzen, dass eine erfolgreiche Integration von Menschen, die von Nah und Fern zu uns kommen, unter anderem nur dann gelingen kann, wenn sie wissen, wohin sie in unserer modernen und für viele Menschen nicht sehr gastlich wirkenden Welt gelangt sind“ so abschließend NHB-Präsident Küster.

Ansprechpartner:

Niedersächsischer Heimatbund e.V. Thomas Krueger, Geschäftsführer

An der Börse 5-6 30159 Hannover

Tel.: 0511/368 12 51

Fax.: 0511/363 27 80

E-Mail: heimat@niedersaechsischer-heimatbund.de

Pressemitteilung

Tagung „Heimat ist Vielfalt“ am 17. Mai 2019 im Roemer- und Pelizaeus-Museum

Anlässlich des 100. Niedersachsentages am 17. und 18. Mai 2019 in Hildesheim

Der Niedersächsische Heimatbund begeht auf Einladung von Stadt und Landkreis Hildesheim seinen 100. Niedersachsentag am 17. und 18. Mai 2019 in Hildesheim. Am 17. Mai findet von 14:30 bis ca. 17:00 Uhr im Roemer- und Pelizaeus-Museum eine öffentliche Fachtagung unter dem Thema „Heimat ist Vielfalt“ statt.

Für den Niedersächsischen Heimatbund e.V., NHB, gehört die kritische Reflexion des Heimatbegriffs zum Programm. “Unser Ziel ist es, Heimat(en) in Niedersachsen in ihrer natürlichen und historisch bedingten Vielfalt und Eigenart unter Respektierung sich verändernder Verhältnisse zu erhalten und als Lebensraum für die Zukunft ganzheitlich und nachhaltig zu gestalten“, so der Heimatbund in seiner Selbstdarstellung. „Dabei sind wir ausdrücklich gegenüber neuen Ausdrucksformen in der Kultur und im demokratischen Zusammenleben mit Menschen unterschiedlicher Herkunft offen: Wir möchten Heimat mit allen Menschen teilen, die zu uns kommen“ erläutert der Präsident des NHB, Prof. Dr. Hansjörg Küster, die Programmatik der Dachorganisation von rund 400 Heimat-, Geschichts- und Bürgervereinen in Niedersachsen.

„Heimat ist Vielfalt“

„Heimat“ ist zu einer der großen Fragen der Zeit geworden. Die globalisierte Welt mit ihren Wanderungsbewegungen von Millionen von Menschen scheint unübersichtlich zu sein und produziert Unsicherheiten – auch bei uns.

In der öffentlichen Veranstaltung wird der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur erste Gedanken dazu formulieren. Der Vortrag des renommierten Journalisten der Süddeutschen Zeitung Prof. Dr. Heribert Prantl verspricht wichtige Impulse für die anschließende Podiumsdiskussion. Der frühere Richter und Staatsanwalt hat sich immer wieder publizistisch intensiv mit dem Thema Heimat, Flucht und Asyl auseinandergesetzt.

In der anschließenden Diskussionsrunde werden dann erfahrene „Heimatmacher“ aus Theorie und Praxis über die Aktualität von Heimat in der weltoffenen Gesellschaft sprechen und später die Zuhörerschaft einbeziehen. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion sind Prof. Dr. Heribert Prantl, Dr. Karamba Diaby, MdB, Mitglied des Präsidiums des Bund Heimat & Umwelt, BHU, Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Kulturwissenschaftler an der Universität Hildesheim, Paloma Klages, Kreisheimatpflegerin im Landkreis Hildesheim und stellv. Vorsitzende des Kreisheimatbundes Hildesheim e.V., Hans-Rudolf Mengers, Vorsitzender des Rüstringer Heimatbundes e.V., und Philip Witte-Markgräfe von den ‘Hödekengeistern‘ Woltershausen e.V. Moderiert wird die Diskussion vom Chefredakteur der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung Martin Schiepanski.

Pressekontakt: Thomas Krueger, Geschäftsführer des NHB, Telefon: 0511/ 368 1251, E-Mail: krueger@niedersaechsischer-heimatbund.de, An der Börse 5, 30159 Hannover

Hintergrund zum Tagungsthema

Das Thema „Heimat“ ist offenbar ganz aktuell: Es gibt Heimatministerien, Heimatdiskurse sowohl im Feuilleton als auch im Politikteil der Qualitätsmedien, Heimat auf dem Buchmarkt, Heimat im Supermarkt, im Hofladen und auf dem Wochenmarkt, Heimat in der Werbung, sogar als Firmenname…

Warum ist das Thema heute und kurz vor der Europawahl so wichtig?  Deutschland kennt nicht nur Geflüchtete und Asylbewerber, sondern auch Spätaussiedler, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Vertriebene, Exilanten, Wanderarbeiter, Schnitter, Hollandgänger, Heringsfischer, Auswanderer, Wolgadeutsche, Hugenotten, Banater-Schwaben… Seit Jahrhunderten verließen sie ihre Heimat, fanden eine neue Heimat oder kehrten in die alte Heimat zurück, kannten sie aber nicht mehr und mussten sie neu finden. Hier haben aber auch Minderheiten wie Sinti und Roma, Sorben und Dänen, Europäer und Menschen aus der ganzen Welt ihre Heimat.

Nicht erst seit spätestens 2015 die weltweite Flüchtlingsbewegung vor unserer Haustür angekommen ist und Menschen zu Tausenden unter Lebensgefahr das „Mare Nos-trum“(„Unser Meer“, wie die Römer das Mittelmeer nannten) aus Angst vor Krieg, Hunger und Elend zu überwinden versuchen, um ein besseres Leben in einer neuen Heimat zu finden, stellen sich immer mehr Menschen in Europa, in Deutschland und in jeder einzelnen Kommune die Frage nach ihrer Identität, suchen nach Gesten des Willkommens für die Fremden oder nach Abgrenzung von ihnen, fragen schließlich nach ihrer eigenen Heimat und der Heimat der und für die anderen. Besteht zwischen beiden eine Grenze? Die bislang vernachlässigte und allzu oft ignorierte, doch historisch schon immer vorhandene Aus- und Einwanderung von Menschen aus der angestammten Heimat in eine neue Welt ist Anfang des 21. Jahrhunderts in Europa, in Deutschland und in jeder einzelnen Kommune massiv ins gesellschaftliche Bewusstsein gedrungen.

„Heimat“ ist zu einer der großen Fragen der Zeit geworden. Die globalisierte Welt, in der Australien virtuell und digital nur Bruchteile von Sekunden von uns entfernt liegt, in der ein Gastronom mit türkischen Großeltern in seiner Dönerbude Lammfleisch aus Neuseeland und Rindfleisch aus Argentinien anbietet, während die Sushibar gegenüber Fisch aus allen Weltmeeren feil hält und die perfekt Niederdeutsch sprechende Ostfriesin mit ihrem aus Polen gebürtigen Partner nebenan Pizza mit Ananas serviert - diese Welt scheint unübersichtlich und beliebig zu sein und Unsicherheit zu produzieren. Nationalismus, populistische, „identitäre“ Ab- und Ausgrenzung alles Fremden, Rassismus und Antisemitismus erhalten vermehrt Zustimmung und Zulauf.

Der Niedersächsische Heimatbund trägt den Begriff ‘Heimat‘ nicht nur einfach im Namen. Seit sich Heimat- und Bürgervereine erstmals 1902 in Hannover zu einem Niedersachsentag zusammenfanden ist dieser Tag die wichtigste Veranstaltung des Niedersächsischen Heimatbundes, die 2019 zum 100. Male stattfindet - viel länger, als das gleichnamige Bundesland besteht. Und immer fragen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch nach der Aktualität des Begriffs ‘Heimat‘, um ihr Handeln vor Ort zu reflektieren und auf die aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen an ihre Heimat antworten zu können.

Heute bekennt sich der Niedersächsische Heimatbund zu unserer weltoffenen und pluralen Gesellschaft von Republikanern und ist Mitverfasser der Stellungnahme „Heimat - Eine Positionsbestimmung“ des Bund Heimat und Umwelt BHU. Der 100. Niedersachsentag im Jahr der Wahlen zum Europäischen Parlament ist daher auch als Beitrag zum Bündnis „Niedersachsen für Europa“ zu sehen.

Unter der Hypothese „Heimat ist Vielfalt“ soll das Thema während der Tagung aus zwei Perspektiven befragt werden. Einmal theoretisch: Was ist Heimat, ein Gefühl oder ein Ort - oder beides? Gibt es immer nur eine Heimat oder gibt es nicht ganz viele Heimaten oder: Kann ein Mensch nicht auch mehrere Heimaten haben? Ist Heimat immer nur individuell oder gibt es auch Heimat für ein Kollektiv: naturräumlich, landschaftlich, „landsmannschaftlich“, sprachlich-kulturell oder sozial geprägt? Kann ein Bundesland wie die Flächenländer Niedersachsen oder Bayern, kann Deutschland oder Europa Heimat sein? Ist das Konzept Heimat immer rückwärtsgewandt oder kann es in der globalisierten Welt auch fortschrittlich sein - und wenn ja, wohin schreitet es oder soll es schreiten? Gibt es eine Divergenz zwischen städtischer und ländlicher Heimat?

Aus der zweiten, praktischen Perspektive soll gefragt werden: Was sagen die „Heimatmacher“ vor Ort zu solch theoretischen Überlegungen? Was ist Heimat für die Heimatmacher? Stellen sich ihnen und ihren Mitmenschen diese Fragen überhaupt oder ist ihnen das viel zu akademisch? Was tun sie ganz praktisch in Sachen Heimat? Wen sprechen sie an, wen wollen sie ansprechen (und wen vielleicht auch nicht)? Was brauchen sie dazu von der Gesellschaft, von der Politik, vom NHB?

Termin: 17. Mai 2019, 14:30 – 17:00 Uhr Ort: Roemer-Saal im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, Am Steine 1-2, 31134 Hildesheim, Tel: 0 51 21 / 93 69 - 0.

Kurzbiographien der Podiumsteilnehmer (alphabetisch)

Dr. Karamba Diaby, MdB, Mitglied des Präsidiums des Bund Heimat und Umwelt BHU; Geboren am 27. November 1961 in Marsassoum/Senegal; verheiratet; drei Kinder. 1982 bis 1984 Hochschulstudium, Universität Dakar (Senegal); 1985 bis 1986 Deutschkurs am Herder-Institut der Universität Leipzig; 1986 bis 1991 Chemiestudium, 1992 bis 1996 Promotionsstudium Geoökologie, an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Anschließend in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen im Bereich Bildung, Jugendpolitik, Vielfalt und Menschenrechte tätig. 2009 bis 2012 Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates; seit 2010 Mitglied im Bündnis "Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage". 2009 bis 2015 Mitglied des Stadtrates in Halle (Saale). Mitglied der SPD, der Arbeiterwohlfahrt, der IG BCE und des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt. Präsidiumsmitglied des Bundes Heimat und Umwelt in Deutschlande e.V. Von 2011 bis 2013 Referent im Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, 2009 bis 2015 Stadtrat in Halle.  Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2013.

Paloma Klages, Kreisheimatpflegerin Landkreis Hildesheim, stellv. Vorsitzende des Kreisheimatbundes Hildesheim e.V. Geboren 1976 in Hildesheim, ist seit einem USA-Austausch 1992 in der Kulturvermittlung engagiert. Nach dem Abitur an der Hildesheimer Michelsenschule studierte sie zunächst sechs Semester Gartenbau in Hannover und absolvierte eine Ausbildung zur Umweltanalytisch-Technischen Assistentin. Seitdem auch in der Umweltpädagogik tätig. Seit April 2014 als Heimatpflegerin des Landkreises Hildesheim, außerdem Ortsheimatpflegerin in ihrem Heimatort Groß Escherde und im Vorstand des Kreisheimatbunds.

Sie organisiert Veranstaltungen zur regionalen Identifikation u.a.m.  Heimatpflege bedeutet für sie auch, Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, ihre Heimat nahezubringen. Seit vielen Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich für Menschen aus anderen Ländern, seit Sommer 2015 für Geflüchtete, seit 2017 auch hauptberuflich in der Integration im Landkreis Hildesheim tätig.

Hans-Rudolf Mengers, Vorsitzender des Rüstringer Heimatbundes e.V., Nordenham geb. 1947, seit 1999 Vorsitz des Rüstringer Heimatbundes e.V. Bis 2011 Grund-, Haupt- und Realschullehrer mit Funktionen als Fachseminarleiter (Ausbildungsseminar für Lehrer), Kontaktlehrer der Uni Oldenburg, Fachberater für Plattdeutsch in den Schulen im Landkreis Wesermarsch. Vielfältige ehrenamtliche Tätigkeiten in Verbänden der Heimatpflege mit zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen, als Schöffe sowie in Kommunalpolitik und Kirche. Zahlreiche Auszeichnungen für ehrenamtliche Arbeit u.a. durch das Land Niedersachsen, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Prof. Dr. Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung  geboren 1953 in Nittenau/Oberpfalz, studierte Rechtswissenschaft und Geschichte. Nach seiner journalistischen Ausbildung war er als Richter und Staatsanwalt an verschiedenen bayerischen Amts- und Landgerichten tätig. Seit 1987 arbeitet er als politischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung, seit 1995 leitete er dort das Ressort Innenpolitik, bis 1. März 2019 Mitglied der Chefredaktion, jetzt Kolumnist der SZ. Prantl hat sich publizistisch intensiv mit dem Thema Heimat, Flucht und Asyl auseinandergesetzt. Für seine Veröffentlichungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Geschwister-Scholl-Preis, dem KurtTucholsky-Preis für literarische Publizistik und mit dem Erich-Fromm-Preis.

Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Universität Hildesheim geboren 1954 zwischen Rhein und Main, seit 1997 Gründungsdirektor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim, seit 2011 UNESCO-Chair in Cultural Policy for the Arts in Development, von 2003 bis 2007 Sachverständiges Mitglied der Enquête-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages, persönliches Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und des Internationalen Theaterinstituts, Vorsitzender des Fonds Darstellende Künste, Ehrenpräsident der Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche; zahlreiche Publikationen, u.a. "Theater und Schule. Ein Handbuch zur kulturellen Bildung" (Bielefeld 2009), "Weißbuch Breitenkultur. Kulturpolitische Kartografie eines gesellschaftlichen Phänomens am Beispiel des Landes Niedersachsen" (Hildesheim 2014), "Vital Village. Development of Rural Areas as a Challenge for Cultural Policy / Entwicklung ländlicher Räume als kulturpolitische Herausforderung" (zusammen mit Beate Kegler und Daniela Koß, Bielefeld 2017), "Theater in der Provinz. Künstlerische Vielfalt und kulturelle Teilhabe als Programm" (zusammen mit Silvia Stolz und Katharina Schröck, Berlin 2019); zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Alfred Kerr-Preis für Literaturkritik des Börsenvereins für den Deutschen Buchhandel, Ehrenpreis des Türkischen Nationalkomitees der UNICEF, Ehrenbrief des Landes Hessen, Preis der Universitätsgesellschaft Hildesheim "für besonderes Engagement und herausragende Leistung zur Gestaltung einer offenen Bildungslandschaft zwischen Universität und Öffentlichkeit", Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Minister Björn Thümler, seit 2003 MdL, geboren am 22.11.1970 in Brake/Unterweser,  seit November 2017 Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur. 1991 bis 2000 Studium der Politikwissenschaft und Geschichte in Hannover und Oldenburg, 2000 Abschluss als Magister Artium. 2003 bis 2008 CDU-Landesgeschäftsführer 2009 bis 2010 zusätzlich Parlamentarischer Geschäftsführer, 2010 bis 2017 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag; weitere Ämter u.a.: 2002 bis 2007 Mitglied der 46. Landessynode der ev.-luth. Kirche in Oldenburg, 2006 bis 2018 Mitglied des Vorstands der Oldenburgischen Landschaft.

Philip Witte-Markgräfe, ‘Hödekengeister‘ Woltershausen e.V., Lkr. Hildesheim geb. am 2. Januar 1991 in der Landeshauptstadt Erfurt. Staatlich anerkannter Erzieher mit Arbeitserfahrungen im evangelischen Waldkindergarten Erfurt, einem Heim für "unbegleitete minderjährige Ausländer" (umA) in Braunschweig und derzeitig in der AWO-KiTa Bad Salzdetfurth. Von 2008 bis 2012 ehrenamtliches Mitglied im Kinder- und Jugendpfarramt der Evangelischen Kirche Mittelthüringen (EKM), speziell im Stadtjugendring der Landeshauptstadt Erfurt. Ab 2016 wohnhaft in Woltershausen, dem Geburtsort seiner Ehefrau. Mit Eintritt in die neue Gemeinschaft in Woltershausen traten beide in den "Hödekengeister Woltershausen e.V." ein, seit 2018 Vorstandsmitglied und Schriftführer des Vereines.

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 Allianz Ländlicher Raum: Wirtschaftswege sind unverzichtbar

 Ministerin Otte-Kinast: Land unterstützt Kommunen

Die Wirtschaftswege bilden das Rückgrat der ländlichen Räume und dürfen nicht vernachlässigt werden. Das hat heute die Allianz Ländlicher Raum gefordert. Die Allianz besteht aus dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund, dem Niedersächsischen Landkreistag, dem Niedersächsischen Heimatbund und der Niedersächsischen Akademie Ländlicher Raum.

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Allianz-Einladungsflyer Wege in Niedersachsen

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Hannover, 8. November 2018

Bingo-Umweltstiftung fördert Alleen
Der Niedersächsische Heimatbund bildet Alleepaten aus

Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU) unterstützt den Niedersächsischen Heimatbund (NHB) mit 99 000 Euro, damit er sich um die Straßenalleen im Lande kümmern kann. Nachdem schon vor vier Jahren die „500 schönsten und wertvollsten Alleen Niedersachsens“ mit Unterstützung der Stiftung gesucht und schließlich rund 2.000 Alleen in der Datenbank www.alleen-niedersachsen.de aufgenommen werden konnten, geht es jetzt darum, für mindestens fünf ausgewählte Regionen Patenschaften (regionale Gruppen und Einzelpersonen als Paten) einzurichten, die die dortigen Alleen eigenständig betreuen. Sie nehmen Meldungen entgegen, begutachten Alleen und wirken bei ihrer Erhaltung mit. Die Patenschaften bilden den Ausgangspunkt für ein niedersachsenweites ehrenamtliches Netzwerk. Ein hauptamtlicher Mitarbeiter des Heimatbunds wird die Alleepaten schulen und weitere ehrenamtliche Mitarbeiter werben. Unterstützt wird der NHB vom Kooperationspartner Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW).

„Vor dem Hintergrund der aktuellen Verordnungen und Richtlinien im Straßenbau sowie der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft, ist der Schutz der vorhandenen Alleen besonders wichtig“, begründet Stiftungsgeschäftsführer Karsten Behr die Förderung des Alleen-Schutzes. Auch Dr. Ronald Olomski vom NHB betont die ökologische und landschaftliche Bedeutung der Alleen für Niedersachsen: „Seit Jahrhunderten prägen Alleen das Landschaftsbild. Weiterhin haben sie eine große Bedeutung für den Biotopverbund, dienen als Bienenweide sowie als Lebens- und Nahrungsraum für viele Tierarten und filtern Feinstäube aus der Luft“.

Allerdings sind Alleen gefährdet: Die Verkehrssicherungspflicht sowie Unterhaltung und Ausbau von Verkehrswegen bedrohen den Fortbestand straßenbegleitender Alleen. Neue Richtlinien erschweren Nachpflanzungen und fördern gemeinsam mit der Tatsache, dass nur wenige Alleen rechtlich geschützt sind, das Fällen von Alleebäumen.

Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert Umwelt- und Naturschutzprojekte sowie Projekte zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit und der Denkmalpflege. Die Stiftung finanziert sich aus der Glücksspielabgabe und vor allem aus Einnahmen der Bingo-Umweltlotterie. Weitere Informationen unter www.bingo-umweltstiftung.de.

Kontakt:

Niedersächsischer Heimatbund
An der Börse 5
30159 Hannover
Tel.: 0511 368 1251

heimat@niedersaechsischer-heimatbund.de

1. Bombergallee in Bad Pyrmont, Foto: Dr. Max Peters, NHB
2. Evenburg-Allee bei Leer, Foto: Dr. Max Peters, NHB
3. Gewöhnliche Rosskastanie in der Fürstenallee im Schaumburger Wald, Foto: Dr. Max Peters, NHB
4. Ems-Vechta-Kanal Nordhorn, Foto: NHB

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Hannover, den 17. Juli 2018

Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, Niedersächsischer Heimatbund e.V.
Kulturlandschaften in Niedersachsen
Bingo-Umweltstiftung fördert Heimat-Broschüre

Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU) beteiligt sich mit 30 000 Euro an einer reich bebilderten Broschüre über die Kulturlandschaften im Lande Niedersachsen. Der Niedersächsische Heimatbund (NHB) will mit Bildern und kurzen verständlichen Texten die vielfältigen Landschaften allgemein verständlich darstellen. Der Autor und Kulturlandschaftsforscher Christian Wiegand benutzt dazu als Grundlage eine eher für Experten in den Behörden gedachte, umfassende landesweite Erfassung der Kulturlandschaften, die der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz (NLWKN) gemeinsam mit dem Heimatbund zusammenstellt.

„Wir wollen mit der Broschüre das Bewusstsein und die Wertschätzung für die Vielfalt der niedersächsischen Kulturlandschaften fördern", sagt NHB-Geschäftsführer Thomas Krueger, „Natur und Kultur sehen wir dabei als eine untrennbare Einheit.“

Die ganzheitlichen Portraits von 42 Kulturlandschaften werden breit gestreut, etwa über den NHB und über die Teilnehmer des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. „So wird eine große Öffentlichkeit auf die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der niedersächsischen Landschaft aufmerksam", begründet Stiftungsgeschäftsführer Karsten Behr das Engagement der NBU. Die 100-seitige Broschüre bietet zudem Menschen eine Orientierung, die in Niedersachsen eine neue Heimat suchen.

Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert Umwelt- und Naturschutzprojekte sowie Projekte zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit und der Denkmalpflege. Die Stiftung finanziert sich aus der Glücksspielabgabe und vor allem aus Einnahmen der Bingo-Umweltlotterie. Weitere Informationen unter www.bingo-umweltstiftung.de.

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Hannover, den 01. Juni 2018

Auf der Festversammlung des diesjährigen Niedersachsentages in Norden, am 26. Mai 2018 von 11:00 bis 13:00 Uhr, übergab der Präsident des Niedersächsischen Heimatbundes Prof. Dr. Hansjörg Küster dem Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil die ROTE MAPPE 2018 des NHB. Schwerpunkte und Themen der ROTEN MAPPE sind u.a. der konkrete Schutz von Natur und Landschaft in verschiedenen Bereichen wie der Schutz des Nationalparks Wattenmeer oder von Wallhecken, der Schutz von Kriegsgräberstätten und die Förderung von Regionalkunde, Niederdeutsch und Saterfriesisch.

Die ROTE MAPPE ist der alljährliche Jahresbericht zur Heimatpflege, in dem sich der NHB mit Anregungen, Lob und Kritik zu grundsätzlichen Problemen und Einzelfällen aus allen Teilbereichen der Heimatpflege an die Landesregierung, aber auch an die kommunalen Gebietskörperschaften wendet. Die nunmehr 59. ROTE MAPPE umfasst auf 44 Seiten einen allgemeinen Beitrag zur Förderung von Integration in der Heimat- und Kulturpflege, zweiundzwanzig Beiträge zum Natur- und Umweltschutz, fünf zur Kulturlandschaft, je einen zu Denkmalpflege und Bodendenkmalpflege, drei zur Regionalgeschichte und -kultur in ländlichen Räumen und im Unterricht sowie zwei zu Niederdeutsch und Saterfriesisch. Den Abschluss bildet eine Betrachtung zur Heimat als notwendigem Bezugspunkt für alle Bürgerinnen und Bürger, gleich ob „eingeboren“ oder zugewandert.

Die Landesregierung hat sich im Vorfeld des Niedersachsentages intensiv mit den angesprochenen Fällen befasst und in der WEISSEN MAPPE zu den Anregungen, Fragen und Forderungen des NHB Stellung bezogen. Ministerpräsident Weil überreichte die WEISSE MAPPE dem Präsidenten des Niedersächsischen Heimatbundes, Professor Hansjörg Küster.

Der NHB macht vor allem auf die folgenden Beiträge zu den diesjährigen Schwerpunkten aufmerksam, die auch vom NHB-Präsidenten in seiner Rede zur Übergabe der ROTEN MAPPE besonders berücksichtigt wurden:

Der Grundsatzartikel 101/18 thematisiert die Bedeutung und Notwendigkeit, die den Heimatvereinen in Niedersachsen bei der Integration von Flüchtlingen zukommt. NHB-Präsident Hansjörg Küster sagte dazu: „Über die Zusammenhänge der Heimat muss man sich auch dann im Klaren sein, wenn wir Menschen, die neu zu uns kommen, möglichst rasch integrieren wollen. Sie brauchen einen Wissenszugang und einen emotionalen Zugang zu ihrer neuen Heimat. In einem Grundsatzartikel […] führen wir eine große Zahl an Projekten an, mit denen sich unsere Mitglieder, die Heimat- und Bürgervereine sowie andere Bildungseinrichtungen, um Integration von Flüchtlingen bemühen. Diese Aktivitäten sind sehr beeindruckend, und sie seien ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen. Sie sind auch in der Broschüre „Heimat verbindet“ enthalten, die der Niedersächsische Heimatbund vor kurzem herausgegeben hat.“

Passend zum Tagungsort hat der NHB sechs Beiträge zu Eingriffen und Nutzungen im Nationalpark Wattenmeer in die ROTE MAPPE aufgenommen. Der Beitrag 218/18 mahnt an, „es leuchtet sowohl der Bevölkerung als auch den Experten nicht ein, dass in den strengsten Schutzzonen des Nationalpark nach wie vor gejagt werden kann,“ so NHB-Präsident Küster. Auch die „Verfelsung“ des Wattenmeeres mit Steinschüttungen gefährdet das Wattenmeer: „Immer mehr felsenähnliche Strukturen werden in Wattbereichen geschaffen, deren Sedimente eigentlich nur aus feinen, lockeren Bestandteilen bestehen sollten. Dadurch wird das auf der Welt einmalige Ökosystem des Flachküsten-Wattenmeers völlig verändert,“ so Küster (Beitrag 221/18).

Wallhecken, prägend in der Kulturlandschaft der Geest und zugleich Bodenerosionsschutz, sind immer wieder durch unsachgemäßen Schnitt bedroht, hier könnte das Beispiel Schleswig-Holstein Schule machen, meint der NHB (254/18).

In Sachen Denkmalpflege widmet der NHB einen großen Beitrag den Kriegsgräbern, für die sich der NHB mit der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Landesamt für Denkmalpflege einsetzt: „Da ist viel Wegweisendes geschehen, aber nach wie vor gibt es Unklarheiten […] Welchen Pflegezustand hält die Landesregierung für Kriegsgräber als „würdig“ und wie soll dieser Zustand erreicht werden?“ Wie können die örtlichen Gräberlisten mit den in den Archiven bekannten Namenszusammenstellungen von Toten abgeglichen werden? „Auf der Grundlage dieses Datenabgleiches sollte es zu einer angemessenen Nennung der Namen der Toten an Ort und Stelle kommen, wo ihre Überreste bestattet wurden. Drittens muss das Engagement des Landes bei der wissenschaftlichen Forschung zum Thema hervorgehoben werden. Aber wie sieht die langfristige Perspektive für diese Forschung aus?“ so NHB-Präsident Küster (301/18).

Wo bleibt das Positive? - In der Bodendenkmalpflege betätigen sich viele Privatleute als Sondengänger und fördern eine große Menge an archäologischen Funden zu Tage. „Zwischen registrierten Sondengängern und der amtlichen Bodendenkmalpflege bestehen mittlerweile gute Kontakte. Aber die Dienststellen der Bodendenkmalpflege kommen mit dem Erfassen der Funde nicht nach. Hier könnte eine sehr gute Partnerschaft zwischen an Heimat interessierten Bürgern und Dienststellen der Bodendenkmalpflege entstehen, aber nur dann, wenn die Dienststellen entsprechend personell ausgestattet sind, um dem Ansturm an Material Herr zu werden. Wie könnte man hier eine Lösung finden?“ fragt der NHB (351/18).

Viele Menschen im Lande beschäftigen sich mit ihrer Regionalgeschichte, doch sie benötigen Unterstützung, die der NHB gern leistet. Hier bittet der Verband um weitere Unterstützung, auf dass den Regionalforschern der Übergang in das digitale Zeitalter besser gelingen möge (401-403/18).

Immer erfolgreicher hat sich in den letzten Jahren die Arbeit an den Themen „Niederdeutsch und Saterfriesisch“ entwickelt. Die Sprachen haben heute einen höheren Stellenwert als noch vor ein paar Jahren. Doch es sind noch notwendige weitere Wege zu gehen, bei denen der NHB gern und tatkräftig mitschreitet. „Wir brauchen eine dauerhafte Perspektive für die Ausbildung von Lehrern, die diese Sprachen unterrichten sollen. Und wir brauchen Handreichungen, wie der Unterricht durchgeführt werden soll. Es freut mich natürlich besonders, dass ich hier auf eine Handreichung der Ostfriesischen Landschaft besonders hinweisen kann, die wegweisend ist und zum Vorbild für weitere ähnliche Druckwerke werden kann“, so abschließend NHB-Präsident Küster (501/18 und 502/18).

 

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