Landwirtschaft

Bauernhaus

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Unter Bauernhaus wird hier das Wohn- und Wirtschaftsgebäude eines landwirtschaftli­chen Betriebes verstanden, daneben gibt es Scheu­nen, Speicher und andere landwirtschaftliche Nebengebäude. In Nie­der­sach­sen unterscheidet man nach Aufteilung und Bauweise drei Typen von Bauernhäusern:

  • Das Niederdeutsche Hallenhaus ist traditionell ein Fachwerkhaus mit Reetdach. Je nach Größe ist es als Zwei-, Drei- oder Vierständerbau konstruiert, d. h. der Dachstuhl ruht auf zwei, drei oder vier Reihen senkrechter Ständer. Seit dem 19. Jh. wird das Hallenhaus meist aus Bruch- oder Ziegelstein gemauert und mit Dachpfannen gedeckt. Charakteristisch ist ein imposanter Giebel mit einer großen, mehr oder weniger mittigen und mit einem Wagen durchfahrbaren Dielentür. Wohn- und Wirtschaftsbereich liegen unter einem Dach, die Ernte lagert auf dem Dachboden. Kleine Exemplare sind das Heuerlingshaus, der Kotten oder die Kate sowie das Altenteil als Altersruhesitz.
  • Das Gulfhaus ist i. d. R. ein Ziegelbau und wie das Hallenhaus giebelseitig befahrbar; die Dielentür liegt jedoch immer seitlich im Giebel. Das Dach kann erheblich höher sein als beim niederdeutschen Hallenhaus, ist an den Querseiten tief hinuntergezogen und über den Giebeln aus Windschutzgründen abgewalmt. Die Ernte wird vom Boden bis unter den First gestapelt. Direkt an dem Wirtschaftsteil anschließend und mit ihm unter einem Dach liegt der oft zweistöckige Wohnteil.
  • Das Querdielenhaus (Mitteldeutsches oder Ernhaus) ist im Vergleich zum Hallen- bzw. Gulfhaus relativ klein. Es hat viele Erscheinungsformen und Varianten, typisch ist bei allen die quer zur Firstrichtung liegende Einfahrtdiele. Als eine der Unterformen ist das Harzer Haus hervorzuheben, das mit seiner Bretterverschalung und seinem steilen Dach besonders gut gegen regen- und schneereiches Klima geschützt ist.

 

Kulturgeschichte:

Bauernhäuser prägen mit ihren unterschiedlichen Bauweisen in hohem Maße die Eigenart der niedersächsischen Kulturlandschaften. Dabei nahm ihre Größe mit steigender Baukunst spätestens seit dem Hochmittelalter zu.

Beherrschender Haustyp in Niedersachsen ist das Hallenhaus, bei dem wie im Gulfhaus alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche unter einem Dach untergebracht sind. Die räumliche Nähe zum Vieh lässt auf eine traditionell große Bedeutung der Viehwirtschaft schließen. Auch später trennte lediglich eine Zwischenwand den Wohnbereich von Diele und Stall. Heuerlingshäuser entstanden vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die hier lebenden Heuerlingsfamilien besaßen kein eigenes Land und waren verpflichtet, als Gegenleistung für das gepachtete Haus im landwirtschaftlichen Betrieb des Haupthofes zu arbeiten.

Das Gulfhaus entwickelte sich von den Niederlanden kommend zunächst in den Marschgebieten (16. und 17. Jh.), später auch in der angrenzenden Geest. Unter seinem großen Dach sollten die steigenden Erträge gelagert werden, denn zu dieser Zeit erfuhr Landwirtschaft wegen des großen Nahrungsmittelbedarfs der aufstrebenden Städte einen großen Aufschwung

 

Vorkommen/ Verbreitung:

In den meisten niedersächsischen Gebieten bestimmt das Hallenhaus das Bild. Das Gulfhaus dominiert in den Marschgebieten entlang der gesamten Nordseeküste von Holland bis Schleswig-Holstein, mit Ausnahme des Elbe-Weser-Dreiecks. Das Querdielenhaus ist typisch für den gesamten mitteldeutschen Raum und beschränkt sich in Niedersachsen auf die Landkreise Göttingen, Goslar, Northeim und Osterode.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Bauernhäuser werden von den Baudenkmalbehörden er­fasst und bei entsprechender Ausprägung in das Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen.

 

Literaturtipps: Ellenberg (1990), Gläntzer et al. (1992), Kaiser & Ottenjann (1995), Möller (1984); Schepers (1976)

Gulfhof Hayungshof, Ldkr. Wittmund (Foto: Axel Heinze)

Moorkolonistenhaus Warsingsfehn, Ldkr. Leer (Foto: Axel Heinze)

Krüsselwark Nordwerdum, Ldkr. Wittmund (Foto: Axel Heinze)

Bewässerungswiese

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Eine Bewässerungswiese (in Süddeutschland Wäs­serwiese) ist eine Wiese, die mit dem Wasser eine Fließgewässers gedüngt wird. Man unterscheidet zwei Typen:

  1. Bei der Stauwiese wird das Wasser v. a. im Winter mit Hilfe von Wehren und kleinen Dämmen bis zu 40 cm hoch aufgestaut. Die fruchtbaren Schwebstoffe sinken dabei langsam zu Boden.
  2. Bei der Rieselwiese (in Nordniedersachsen und Westfalen regional auch Flößwiese) lässt man Wasser in einem dünnen Film über die Wiese fließen (rieseln). Die Schweb- und z. T. gelösten Nährstoffe werden dabei durch die Vegetation ausgekämmt.

In hügeligem Gelände (Hangbau) leitet man dazu das Bachwasser mit Hilfe eines Staus in einen oberhalb der Wiese angelegten, hangparallel verlaufenden Bewässerungsgraben ( Graben) und lässt es von dort über die Wiese rieseln. Unterhalb angelegte Entwässerungsgräben sammeln das überschüssige Wasser, führen es zum Bach zurück oder bewässern weitere, unterhalb gelegene Wiesen.

In der Ebene muss man durch Rückenbau das notwendige Gefälle künstlich erzeugen. Hierzu baut man auf der Wiese parallele langgestreckte flache Erhebungen (Rücken), über die eine blind endende Rinne führt. Durch Fluten der Rinnen rieselt das Bachwasser über die Wiese und wird von zwischen den Rücken angelegten Gräben wieder abgeführt.

Kulturgeschichte:

Die ersten Berichte über Wiesenbewässerung in Deutschland stammen aus dem Hochmittelalter, in Niedersachsen aus dem späten 16. Jahrhundert. Ihre Blütezeit lag in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die 1854 gegründete Wiesenbauschule in Suderburg (Landkreis Uelzen) trug maßgeblich zur Verbreitung der Technik von Mittel- bis nach Osteuropa bei.

Vorkommen/ Verbreitung:

Rieselwiesen waren v. a. in Gebieten geringer Bodenfruchtbarkeit verbreitet. Schwerpunkte in Niedersachsen waren die Bach- und Flusstäler in den eiszeitlich geprägten Landschaften der Geest („Lüneburger Rückenbau“), im übrigen Deutschland v. a. das Bergland mit sauer verwitterndem Ausgangsgestein (z. B. Siegerland, Schwarzwald).

Besonders geeignet waren Fließgewässer, die, aus Lössgebieten kommend, fruchtbare Schwebstoffe in nährstoffarme Gebiete führten, in Niedersachsen z. B. Oker, Hunte oder Fuhse. In den 1950er Jahren ist die unterhaltungsaufwändige Wiesenbewässerung aufgegeben worden. Durch Umbruch und Neueinsaat bzw. Ackernutzung ist die Mehrzahl der ehemaligen Rieselwiesen im Gelände fast nicht mehr zu erkennen.

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Bewässerungswiesen und ihre Relikte wie Rücken, Gräben, Dämme oder Stauwehre werden von den Denkmal- und Naturschutzbehörden kaum erfasst und sollten dem NHB gemeldet werden. Hinweise auf ehemalige Rieselwiesen enthält u. a. die Preußische Landesaufnahme, in der die alten Stauwehre und das dazugehörige charakteristische Grabensystem i. d. R. eingezeichnet sind.

Literaturtipps: Brinkmann, (1956), Hetzel (1959), Hoppe (2001), Küster (1995), Vogt­herr (1986)

Brückenrelikt am ehem. Staugraben "Trockene Wiesen", Lachendorf, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)


Ehem. Zwischen-Stauwehr Osterbruchwiesen, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

"Suderburger Rücken" an der Meiße, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

 

Stauwehr Altenhäger Wiesen, Celle (Foto: Florian Friedrich)

Stauwiesenrelikt an der Örtze, Wolthausen, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Ehemalige Rieselwiesen bei Bergen, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Blockflur

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Flurform, in der die einzelnen Parzellen eine ähnliche Breite und Länge aufweisen, d. h. im Gegensatz zur  Langstreifenflur annähernd quadra­tisch sind. Eine alte Bezeichnungen für eine blockförmige Parzelle ist der Kamp (in Süddeutschland heißen besonders abseitige Parzellen auch Egarten), der v. a. als Acker genutzt wurde, es gab aber auch mit  Wällen umhegte Wiesen- und  PfIanz­kämpe (Aufforstungen in Wäldern). Eine Koppel bezeichnet in späterer Zeit i. d. R. eine blockförmige Grünlandparzelle.

Celtic Fields sind ebenfalls blockförmige Felder, jedoch aus prähistorischer Zeit. Sie haben eine Seitenlänge von 10 bis 40 Metern, die mit flachen, durch das Sammeln von Unkraut oder Lesesteinen entstandenen Wällen umgeben sind.

Kulturgeschichte:

Celtic Fields gehen ins 5. Jahrtausend v. Chr. bis ins 1. Jahrtausend n. Chr. zurück. Kämpe und Blockfluren stammen aus dem Mittelalter oder der Neuzeit, als die Bauern zusätzlich zum gemeinsam bewirtschafteten  Esch eigenes Ackerland aus der  Gemeinheit abtrennten und mit einem  Wall oder einer  Wallhecke umhegten. Koppeln sind jünger und wurden erst im Zuge der Gemeinheitsteilungen durch Flächentausch und -zusammenlegung ehemaliger Langstreifenfluren oder durch Aufteilung der Gemeinheiten gebildet.

Vorkommen/ Verbreitung:

Die Blockflur ist die bei weitem vorherrschende Flurform heutiger Landwirtschaft in Deutschland. Celtic Fields gibt es z. B. bei Flögeln/ Cuxhaven.

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Celtic fields werden von den archäologischen Denkmalbehörden erfasst und vom NLD ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen. Blockfluren werden aufgrund ihrer weiten Verbreitung nicht erfasst.

Literaturtipps: Born (1989), Ewald (1996), Küster (1995) und Seedorf & Meyer (1996); zu Celtic fields siehe Möller (1984) und Häßler (1991)

Erdkeller

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Unterirdischer, unabhängig von einem Haus angelegter Raum zur Aufbewahrung besonders von Lebensmitteln. In der Regel wurden Keller in den Hang hinein gebaut, um bei relativ geringem Aufwand die kühlende Wirkung des Erdreichs zu nutzen. Eine Kellergasse besteht aus mehreren in eine Straßenböschung angelegten Kellern.

Kulturgeschichte:

Früheste Keller waren z. B. Eiskeller, in denen Eisplatten bis in den Som­mer hinein als Kühlmaterial gelagert wurden; oft im Zusammenhang mit herrschaftlichen Anwesen. Bäuerliche Keller dienten v. a. zur Lagerung von Vorräten wie Obst und Getreide, sind jedoch heute i. d. R. nicht mehr in Gebrauch. Daneben gab es auch Keller als Munitionsdepot. Keller sind nicht nur kulturgeschichtliche Zeugnisse sondern auch wertvolle Lebensräume für Fledermäuse.

Vorkommen/ Verbreitung:

Erdkeller wurden v. a. in bergigem Gelände angelegt. Zum Schutz vor Diebstahl liegen sie oft in unmittelbarer Siedlungsnähe.

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Erdkeller und Kellergassen werden nur in Einzelfällen von der Denkmalpflege erfasst und ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen. Sie sollten daher dem NHB gemeldet werden.

Ehem. Erdkeller als Fledermausquartier, Rutenmühle, Ldkr. Heidekreis (Foto: Florian Friedrich)

Erdkeller Hagen-a.T.W., Ldkr. Osnabrück (Foto: Christian Wiegand)

Gemeinheit

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Die Gemeinheit (auch Mark, Meine, süddt. Allmende) war das gemeinschaftlich von den Bauern eines Ortes genutzte Land, z. B. zum Holzschlagen, Viehweiden oder Plaggenstechen. Gemeinheiten bestanden daher i. d. R. aus  Hu­de­wald,  Heiden,  Triften,  Angern oder Weiden, die in Relikten noch erhalten sein können.

 

Kulturgeschichte:

Das Prinzip der Gemeinheiten im Sinn der gemeinsamen Landnutzung ist seit dem Mittelalter bekannt, existierte möglicherweise aber schon viel früher. Rechte und Pflichten der Bauern konnten von Dorf zu Dorf verschieden sein. Meist durften ältere Höfe einer Dorfgemeinschaft die Gemeinheit intensiver nutzen als jüngere. Im Laufe der Jahrhunderte sind Teile der Gemeinheit immer wieder auch in privaten Besitz übergegangen (z. B. durch die Anlage umwallter  Kämpe), wodurch sich die Fläche allmählich verkleinerte. Einher mit der Nutzung der Gemeinheiten ging oft ihre Verwüstung; hinsichtlich der überweideten Wälder sprach man z. B. von ,,Markkrebs". Dieser Missstand war Anlass vieler Gemeinheits- und Markenteilungen, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis etwa 1870 überall in Niedersachsen in Eigenregie oder von behördlichen Kommissionen in langwierigen Prozessen durchgeführt wurden.

Die Folge der Gemeinheitsteilungen war eine starke Veränderung des Landschaftsbildes. Bislang war die Landschaft gekennzeichnet von einer kleinteiligen Mischung unterschiedlichster Landschaftselemente und von allmählichen Übergängen zwischen Weide- und Hol­zungsflächen. Nun wurden die neu zugeteilten Parzellen von ihren Besitzern mit  Wall­hecken oder  Gräben umgrenzt, und es entstanden geradlinige Wege und abrupte Übergänge zwischen Feldflur und Wald. Viele kleinere Landschaftselemente wie Sümpfe, Hecken oder Haine sind im Zuge dessen verschwunden.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Das Prinzip der Gemeinheiten war in ganz Niedersachsen und Deutschland verbreitet, wurde jedoch spätestens im 19. Jh. abgeschafft.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Von der ehemaligen Gemeinheitennutzung sind i. d. R. nur einzelne Relikte sichtbar. Zu ihrer Erfassung siehe  Heiden,  Hude­wälder,  Hude­bäume oder  Triften.

 

Literaturtipps: Born (1989), Golkowsky, (1966), Küster (1995 und 1998), Pott & Hüppe (1991), Werth (1954)

Hecke

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Dichte Aneinanderreihung von Sträuchern. Ältere Be­zeichnungen für Hecke sind Hag oder Hagen. Eine auf einem Wall stehende Hecke wird  Wallhecke genannt, eine mit einzelnen Bäumen (Überhälter) durchsetzte heißt Baumhecke. Eine Hecke kann sich, wenn keine Sträucher nachgepflanzt werden, zu einer Baumreihe entwickeln.

 

Kulturgeschichte:

Hecken sind lebende Zäune und dienten schon vor Jahrhunderten zur Abgrenzung von Parzellen, z. B. um die Hufen eines mittelalterlichen  Hufendorfes einzu-frieden. Eine ihrer wichtigsten historischen Funktionen war, Wild und weidendes Vieh von Äckern, Gärten oder Aufforstungen fernzuhalten. In Folge von Viehverbiss unbewehrter Straucharten oder durch gezielte Anpflanzung bewehrter Straucharten zu Verteidigungszwecken ( Landwehr) konnten Hecken überwiegend aus Weißdorn, Schlehe, Berberitze oder Heckenrose bestehen. Hecken können viele weitere Funktionen haben, sie wurden z. B. als Windschutz gepflanzt (z. B. an Äckern zum Schutz gegen Erosion oder an Wegen gegen Schneeverwehungen) oder in Flussauen, um bei Hochwasser fruchtbare Sedimente auszufiltern. In ba­rocken Parkanlagen fanden v. a. regelmäßige Hainbuchen- und Buchsbaumhecken Verwen­dung; Buchsbaumrabatten sind auch ein Merkmal alter  Bauern­gärten. Die Bauerngärten des Artlandes sind z. B. bekannt für ihre kunstvoll geschnittenen Eibenhecken.

Hecken sind, damit sie dicht wachsen, auf Pflege durch regelmäßigen Gehölzschnitt ange­wiesen, weshalb sich nur Laubgehölze und Eiben, nicht jedoch die anderen Nadelholzarten als Heckenpflanzen eignen. Das Schnittgut diente früher als Brennholz. Da in den Wäldern das Holz bis zur Mitte des 19. Jh. immer knapper wurde, setzten sich Hecken gegenüber Holzzäunen durch.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Viele historische Hecken sind den Flurbereinigungen des 20. Jahrhunderts zum Opfer gefallen, bei denen Flächen zusammengelegt und Hecken als Hindernis großer Landmaschinen gerodet wurden. Daher sind viele historischen Hecken und Heckensysteme nur noch unvollständig erhalten. Insbesondere in Geestlandschaften sind sie aber immer noch typisch. In den letzten Jahrzehnten sind außerdem viele neue Hecken angelegt worden (Landschaftspflege, Naturschutz, Schutz vor Erosion).

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Hecken werden in ihrer Bedeutung für den Naturhaushalt und das Landschaftsbild durch die Naturschutzbehörden erfasst, z. B. bei der Landschaftsplanung. Besondere kulturhistorische Bedeutungen von Hecken (z. B. als historische Grenzmarkierung) bleiben dabei jedoch oft unberücksichtigt und sollten dem NHB gemeldet werden. Einem besonderen Schutz nach § 33 NNatG unterliegen  Wallhecken.

 

Literaturtipps: Küster (1995), Pott (1988) und (1989)

Hainbuchenhecke um ehem. Ochsengehege in Lachendorf, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Heide

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Heiden (auch Zwergstrauchheiden) sind Flächen, die aus­schließlich oder überwiegend mit Heidekraut bewachsen sind. Hinzukommen können ein­zeln stehende Wacholder (Wacholderheide) oder Gräser, v. a. Drahtschmiele. Auf trockenen Sandböden dominiert Besenheide, auf feuchten Böden Glockenheide.

 

Kulturgeschichte:

Heiden wären in Niedersachsen natürlicherweise sehr selten. Dass sie bis zum Ende des 19. Jh. Tausende von Quadratkilometern bedeckten, verdanken sie allein menschlichen Tätigkeiten. I. d. R. breiteten sich Heiden zu Lasten des Waldes und v. a. auf gemeinschaftlichen Flächen aus ( Gemeinheit). Die Ursachen waren v. a. Überweidung (z. B. Heidschnucken),  Plag­gen­abbau, Holzraubbau oder das Abbrennen der Vegetation zur Düngung der Felder. Bei ähnlichen Ursachen haben sich auf nährstoffreicheren Böden dagegen  Magerrasen eingestellt. In typischen Heidegebieten entwickelten sich spezielle Wirtschaftsformen wie die Schafzucht und die  Imkerei.

Nach den Gemeinheitsteilungen des 18. und 19. Jh. wurden die meisten Heide­flächen aufgeforstet (v. a. mit Kiefern, auch Fichten). Mineraldünger und Bewässerung macht heute sogar Ackerbau auf ehemaligen Heideflächen möglich.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Heiden beschränken sich in Niedersachsen meist auf Schutzgebiete (z. B. die Naturschutzgebiete Lüneburger Heide und Pestruper Gräberfeld bei Wildeshausen) und sind dort auf regelmäßige Pflegemaßnahmen angewiesen (Beweiden, Entfernen der Gehölze oder der gesamten oberen Bodenschicht). Meist sind sie jedoch in riesige Kiefernforste über­führt worden, z. B. in den Landkreisen Celle, Lüchow-Dannenberg oder Soltau-Falling­bostel.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Heiden werden von den Naturschutzbehörden i. d. R. erfasst. Sie erfüllen die Merkmale besonders geschützter Biotope nach § 28a NNatG und sind oft als Natur- oder Landschaftsschutzgebiete geschützt (§ 24 bzw. 26 NNatG).

 

Literaturtipps: Jedicke & Jedicke (1992), Pott (1999) , Vogtherr (1986)

Misselhorner Heide, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Hufenflur

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Verbund paralleler, langgestreckter, 50 bis 100 Meter breiter und bis zu 2 Kilometer langer Parzel­len (Hufen), die (im Gegensatz zur  Lang­strei­fenflur) in direktem Kon­takt zu den Hofstellen eines dazugehörenden  Hufendorfes stehen. Dort treffen sie meist im rechten Winkel auf die Entwicklungsachse (Straße, Deich, Kanal) des Hufendorfes. Hufenfluren sind in der Landschaft durch parallele Ackerraine,  Grä­ben,  Wall­hecken oder  Zäune zu erkennen, die die langgestreckten Parzellen begrenzen.

 

Kulturgeschichte:

Siehe  Hufendorf

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Durch Flurbereinigung und Flächenzusammenlegung sind Hufenfluren mit typischen Merkmalen selten geworden.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Hufenfluren werden im Rahmen der Landschaftsplanung bislang nur in Einzelfällen erfasst. Sie sollten unbedingt dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Seedorf & Meyer (1996), Werth (1954)

Imkereirelikte

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Typische Relikte historischer Bienenhaltung (Imkerei) sind

  1. Bienenhäuser zur Unterbringung von Bienenkörben
  2. Bienenzäune (Immenzaun, niederdeutsch Immentun): Überdachte Regalreihen aus Holz zum Auf­stellen von Bienenkörben, meist am Waldrand gelegen oder in Zäune integriert. Zum Schutz vor Diebstahl konnten Bienenzäune zu einer quadratischen Anlage angeordnet und von außen verschlossen sein. Vor langer Zeit aufgegebene Bienenzäune können sich als Wälle am Boden abzeichnen.
  3. Bienenweide (Immenhagen): Pflanzung von Bäumen oder Hecken (Hagen), die sich zur Bienenweide beson­ders eigneten, z.B. Linden oder Akazien, v. a. an Wald- oder Heiderändern. Alleepflan­zungen boten den Bienen reichlich Nahrung und beanspruchten nur wenig Fläche.

 

Kulturgeschichte:

Jahrhundertelang wurden Bienen in bäuerlichem Nebenerwerb gehalten. Bienenwachs diente v. a. zur Herstellung von Kerzen, Honig war bis zur Erfindung der Zuckerherstellung aus Zuckerrüben die wichtigste Möglichkeit zum Süßen von Speisen. Mit Aufkommen von Rübenzucker, Kunstwachs, Paraffin und Stearin ging die Bedeutung der Imkerei zurück.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Die o. g. Relikte historischer lmkerei sind in Niedersachsen v. a. in den (ehemaligen) Heidegebieten zu erwarten (Heidehonig) und in Obstanbauregionen, z. B. im Alten Land oder im niedersächsischen Bergland.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Bienenhäuser, -zäune und -weiden werden von Natur- oder Denkmalschutzbehörden nur in Ausnahmefällen erfasst und sollten dem NHB gemeldet wer­den. In wenigen Fällen sind sie bereits als Naturdenkmal ausgewiesen oder ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen worden.

 

Literaturtipps: Koch (1998), Segschneider (1978), Wöbse (1994)

Umgenutzter Bienenzaun bei Suedwinsen, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Rekonstruierter "Erdlie" im Bomann Museum Celle (Foto: Florian Friedrich)

Umwallte Immenstelle bei Lachtehausen, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Ehem. "Immenstelle Striepen" auf Acker, Ahnsbeck, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Landwirtschaftliche Nebengebäude

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Landwirtschaftliche Nebengebäude sind unbewohnte Betriebsgebäude eines Bauernhofes. Je nach Funktion und typischer Bauweise unterscheidet man z. B.  Scheunen,  Speicher,  Keller, Ställe, Viehhütten, Backhäuser, Remisen (Wa­genunterstände), Flachsrösthäuser (zur Leinenherstellung), Brauhäuser; Brennereien, Dörrobst­öfen, Bleichhütten ( Rottekuhle), Göpelhäuser (meist achteckiges Gebäude zum Antrieb einer viehbetriebenen Welle) oder Taubenhäuser (zur Taubenzucht).

 

Kulturgeschichte:

Landwirtschaftliche Nebengebäude waren von Beginn der Neuzeit bis ins 18.Jh. eher selten und wurden nur in Einzelfällen angelegt, z. B. zur Sicherung der Ernte (Speicher, Scheune), oder wenn aus Brandschutzgründen ein Abstand zum Haupthaus vorteilhaft war (z. B. Brauhaus, Brennerei, Backhaus). Erst im 19. Jh. mit Modernisierung der Landwirtschaft (Bauernbefreiung, Melioration, Gemeinheitsteilungen, Mineraldüngung, Betriebsspezialisierung usw.) und dem damit verbundenen Aufschwung entstanden Nebengebäude aller Art.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Landwirtschaftliche Nebengebäude sind landesweit stark verbreitet. Nur in den Seemarschgebieten sind sie eher selten.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Landwirtschaftliche Nebengebäude, die direkt an Hofstel­len liegen, werden von der Baudenkmalpflege i. d. R. systematisch erfasst. Lediglich kleinere in der freien Landschaft gelegene Nebengebäude von kulturgeschichtlicher oder landschafts­typi­scher Bedeutung können dabei unberücksichtigt geblieben sein und sollten daher dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Ellenberg (1990), Gläntzer et al. (1992), Kaiser & Ottenjann (1995), Möller (1984), Schepers (1976)

Schafstall Helmerkamp, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Schweinestall Hohne, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Göpelhaus in Barnsen, Ldkr. Uelzen (Foto: Christian Wiegand)

Schuppen auf dem Acker, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Langstreifenflur

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Besteht die Feldflur eines Gebietes ganz überwiegend aus parallelen langgestreckten Ackerstreifen (Langstreifen), spricht man von einer Langstreifenflur. Die einzelnen Ackerstreifen können bis zu 700 Meter lang und nur wenige Meter schmal sein. Die Langstreifenflur kann aus mehreren Gewannen (auch Feldern, in Braunschweig Wannen) bestehen, das sind Verbände von Ackerparzellen in einheitlicher Ausrichtung, und wird daher auch Gewannflur genannt. Im Gegensatz zur  Hufenflur haben die Ackerstreifen der Gewann- oder Langstreifenflur keinen Anschluß an die Höfe.

 

Kulturgeschichte:

Gewanne und Langstreifenfluren zählen i. d. R. zum ältesten Ackerland (Altacker) einer bäuerlichen Siedlung. So ist auf historischen Landkarten der Dorfacker (Esch), der von den alteingesessenen Höfen des Ortes bewirtschaftet wurde, meist als Lang­streifenflur dargestellt. Gegenüber der  Blockflur bot die Langstreifenflur den Vorteil, dass der von einem Ochsengespann gezogene Beetpflug seltener zu wenden war. Bei den Flurberei­nigungen des 19. und 20. Jh. sind Lang­strei­fen- und Gewannfluren zur effektiveren Bewirtschaftung i. d. R. in Blockfluren überführt worden.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Langstrei­fen- und Gewannfluren sind heute allenfalls noch in Relikten zu finden.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Falls Langstreifenfluren in der heutigen Landschaft noch sichtbar sind, sollten sie dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Born (1989), Küster (1995), Niemeyer (1977), Pacyna (1955), Seedorf & Meyer (1996), Werth (1954)

Lesesteinwall

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Längliche (Lesesteinwall, -reihe oder -riegel) oder haufenförmige (-haufen) Ansammlung größerer Steine und Geröll am Rand von Äckern, bei Viehweiden auch innerhalb der Fläche. Lesesteinwälle sind zwischen einigen Dezimetern und zwei Metern hoch und bestehen aus Steinen von max. einigen Dezimetern Durchmesser; größere Steine in Lesesteinwällen sind selten, weil diese meist anderweitig genutzt wurden (z. B. als Fundamente).

 

Kulturgeschichte:

Lesesteinwälle und -haufen sind durch Absammeln von Steinen auf Äckern und Grünland entstanden, um eine wirtschaftlichere Nutzung der Flächen zu ermöglichen und Beschädigungen von Gerät zu verhindern. Als Wall oder Reihe markierten sie zugleich Ackerraine und Parzellengrenzen. Bei ausreichender Höhe konnten sie in eine  Wallhecke eingebunden sein oder diese ersetzen und so der Einfriedung dienen.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Lesesteinhaufen oder -wälle sind überall dort verbreitet, wo Felsgestein oder Findlinge in den oberen Bodenschichten auftreten, und können örtlich den Charakter einer Landschaft prägen.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Gut erhaltene Lesesteinwälle oder -haufen und solche mit besonderer kulturgeschichtlicher Bedeutung sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Ewald (1996), Hahn (1995), Jäger (1987), Werth (1954)

Magerrasen

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Magerrasen sind Wiesen und Weiden, z. T. durchsetzt mit einzelnen Gehölzen. Kennzeichnend ist eine relativ niedrigwüchsige, sehr artenreiche und an Nährstoff- und/ oder Wassermangel (Trockenrasen) angepasste Vegetation. Oft ist der Untergrund sandig und nährstoffarm (Sandmagerrasen), kalkhaltig (Kalkmagerrasen) oder flachgründig und wasserdurchlässig (Trockenrasen). Typisch für Magerrasen sind z. B. zahl­reiche Orchideenarten und eine sehr artenreiche lnsektenfauna.

 

Kulturgeschichte:

Magerrasen waren v. a. vom 16. bis zum 18. Jh. zu Zeiten der  All-mende weit verbreitet und gehen (wie  Heiden) ursächlich meist auf die Beweidung durch Vieh zu­rück. Im Gegensatz zu Heiden weisen sie eine vielfältige Vegetation auf. Die wenigen erhaltenen Magerrasen sind nicht nur wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere, son­dern auch sichtbare Zeugnisse frühe­rer Allmende- bzw. Weidewirtschaft.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Magerrasen konzentrieren sich in Niedersachsen heute auf klei­ne, meist im südlichen Hügelland gelegene Teilgebiete von max. 10 Hektar.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Magerrasen werden von den Naturschutzbehörden zu­verlässig er­fasst. Sie erfüllen die Merkmale besonders geschützter Biotope nach § 28a NNatG und sind zugleich meist als Natur- oder Landschaftsschutzgebiete geschützt.

 

Literaturtipps: Drachenfels (1996), Ewald (1996), JEDICKE & JEDICKE (1992), Küster (1995)

Mauer

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Wand aus Bausteinen im Mauerverband, d. h. aus übereinander greifenden Steinen, zur Begrenzung von Nutzungs- oder Besitzparzellen, z. B. Hofstellen oder Ackerflächen. Je nach Material unterscheidet man z. B. Bruchsteinmauern, Zie­gelmauern oder Findlingsmauern. Trockenmauern sind Mauern, deren Steine ohne Verwendung von Mörtel aufgeschichtet sind.

 

Kulturgeschichte:

Historische Mauern sind kulturgeschichtliche Zeugnisse, die durch die Verwendung ortstypischen Materials einen Beitrag zur Eigenart einer Landschaft leisten können. I. d. R. wurden Steine verwendet, die in der Umgebung häufig vorkamen oder preiswert zu gewinnen waren. Trockenmauern bieten seltenen Pflanzen- und Tierarten wertvollen Lebensraum.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Charakteristisch sind z. B. Bruchsteinmauern im niedersächsischen Hügelland oder Findlingsmauern in Geestgebieten.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Mauern werden i. d. R. nicht von den Denkmal- oder Naturschutzbehörden erfasst. Historische Mauern von kulturgeschichtlicher Bedeutung, z. B. al­te Einfassungen einer Hofstelle oder Findlingsmauern zur Feldbegrenzung, sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Ewald (1996)

Mauer in Neuhaus, Ldkr. Holzminden (Foto: Christian Wiegand)

Meierei

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Eine Meierei (auch Holländerei) ist ein Betrieb, der neben der Milcherzeugung auch der Milchverarbeitung und -weiterverarbeitung dient, z. B. zu Käse, Sahne oder Butter. In ihrem Baustil entsprechen Meiereien der zeitgenössischen Architektur von  Bauernhäusern. Verwandt mit der Meierei ist die Molkerei, die jedoch nicht selbst Milch produziert, sondern aus den umliegenden Gebieten sammelt und verarbeitet.

 

Kulturgeschichte:

Meiereien entstammen meist der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Milchwirtschaft dank Modernisierung der Landwirtschaft einen Aufschwung erfuhr. Sie sind nicht gleichzusetzen mit Meierhöfen.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Meiereien waren vor allem in traditionellen Milchviehgebieten verbreitet. Schwerpunkte in Niedersachsen sind traditionell die westliche und nördliche Landeshälfte mit der Marsch bzw. den eiszeitlich geprägten Regionen.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Meiereien werden i. d. R. von den Baudenkmalbehörden erfasst und bei entsprechender Ausprägung ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen.

 

Literaturtipps: Küster (1995), Middelhauve (1954)

Ehemalige Molkerei Winsen/Aller (Foto: Florian Friedrich)

Obstwiese

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Flächig (Obst- oder Baumgarten), in Reihe (Obstbaumallee) oder an einem Gerüst (Spalierobst) wachsende Obstbäume. Oft wird die Fläche zugleich als Wiese (Obstwiese) oder (Jungvieh-)Weide (Obstweide) genutzt. Bei der Streuobstwiese stehen die Obstbäume ohne geometrische Ordnung zueinander.

 

Kulturgeschichte:

Obstanbau hatte für die Ernährung und Vitaminversorgung der Bevölkerung jahrhundertelang eine große Bedeutung. In Deutschland gab es im 19. Jh. 800 Apfelsorten, die an die jeweiligen regionalen Standortverhältnisse angepasst waren (Resistenz gegen Spätfrost, Wind, Schorf, Mehltau, Anpassung an Wasser- und Nährstoffkapazität, an Tief- oder Flachgründigkeit, an Bodendurchlüftung usw.). Eine der ältesten Apfelsorten ist der Gute Graue bzw. Borsdorfer Apfel, der auf Züchtung von Zisterziensermönchen zurückzuführen ist. Heute gibt es in Deutschland noch etwa 35 gängige Apfelsorten.

Zur Konservierung konnte das Obst in Brotback- oder  Dörröfen getrocknet oder - bei geeigneten Apfelsorten - in Kellern gelagert werden. In vielen Gebieten bot der Verkauf von Obst auf städtischen Märkten Bauern ein wirtschaftliches Standbein. Heute wird Obst nur noch in besonders begünstigten Regionen intensiv angebaut (z. B. im Alten Land), im Übrigen dient es der Selbstversorgung.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Obstanbau war und ist landesweit verbreitet. In vielen Fällen bilden Obstwiesen und -alleen den Übergang vom Dorf in die Feldflur. Vor allem Streuobstwiesen mit alten Obstsorten und mit Hochstämmen unterschiedlichen Alters werden selten.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Obstwiesen, die historische Merkmale aufweisen (z. B. überwiegend Hochstämme, Vielfalt an Altersklassen, Vielfalt an Obstarten und -sorten oder Vor­kommen alter Obstsorten) sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Engelbrecht (1899), Küster (1995), Landschaftsverband Rheinland (2001), Lucke et. al. (1992), Weller (1984), Wöbse (1998)

Obstwiese in Rühle, Ldkr. Holzminden (Foto: Christian Wiegand)

Obstwiese, Ldkr. Holzminden (Foto: Hilko Linnemann)

Obstwiese Arholzen, Ldkr. Holzminden (Foto: Annette Jeschke)

Plaggenesch

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Ein Plaggenesch ist ein Acker, auf den Plaggen (Bodenstücke mitsamt Bewuchs) aufgetragen wurden. Dadurch kann das Bodenniveau im Lauf von Jahrhunderten bis zu einem Meter hoch angewachsen sein. Der charakteristische Höhen­unterschied zur Umgebung ist am besten an den Ackerrändern zu erkennen, die bei bester Ausprägung steil ansteigend sind, wodurch der Plaggenesch einem Uhrglas gleicht. Die Be­zeichnung Esch wird häufig synonym zu Altacker verwendet, kann also auch den ältesten Acker eines Hofes oder einer Siedlung meinen.

Der Abbau der Plaggen (Plaggenmatt) fand sowohl in den  Gemeinheiten als auch auf privatem Grund statt. Während sich der Abbau in den ausgedehnten Gemeinheiten auf die Fläche verteilte und i. d. R. keine offensichtlichen Spuren zurückließ, hat der Abbau auf den wesentlich kleineren privaten Flächen das Relief zum Teil dauerhaft verändert. Häufig wurde in feuchten langgestreckten Senken abgeplaggt, bevorzugt an deren Flanken, um die Sohle der Senke und dadurch ihre Bodenfeuchtigkeit auszugleichen. Der Querschnitt der Senke, die oft gleichzeitig als  Bewässerungswiese genutzt wurde, wandelte sich dadurch vom V- zum U-Profil. Ein besonders deutlicher Höhenunterschied tritt zu Tage, wo direkt an die Senke ein Plaggenesch angrenzt.

 

Kulturgeschichte:

Bei der Plaggendüngung wurden Plaggen in mühevoller Handarbeit durch Stechen mit einer speziellen Hacke abgetragen und auf den Acker aufgebracht. Ggf. wurde das Material einige Wochen lang als Stallstreu verwendet und so mit Dung angereichert. Dies war eine uralte Methode, um die Fruchtbarkeit des Ackerlandes dauer­haft zu erhalten. Plaggendüngung war spätestens seit dem 8. Jh. in Nordwestdeutschland, Dänemark und den Niederlanden verbreitet und machte den sonst üblichen Fruchtwechsel (z. B. Dreifelderwirtschaft) entbehrlich. Ohne sie wäre der in Nordwestdeutschland übliche „ewige Roggenanbau“ nicht möglich gewesen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Plaggendüngung mit Einführung des Mine­raldüngers zurück und kam seit den 1950er Jahren zum Erliegen.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

In Niedersachsen konzentrierte sich das Düngen mit Plaggen v. a. auf die westliche Landeshälfte, östlich der Weser wurde erst in der Neuzeit und auch nur ver­ein­zelt geplaggt.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Plaggenesche und Plaggenabbaustellen, die in der Land­schaft deutlich als solche zu erkennen sind oder die für die lokale Kultur­geschichte von Bedeutung sind, sollten dem NHB gemeldet wer­den.

Hinweise auf Plaggenesche geben nach Eckelmann (1980) historische Landkarten: Demnach handelt es sich bei einer Parzelle, die vor 200 Jahren in typischen Plag­gen­dün­gungs­gebieten als Acker kartiert wurde, mit großer Sicherheit um einen Plaggen­esch. Auch in der Boden­über­sichts­karte 1:50.000 (BÜK 50) des Nds. Landesamtes für Bodenforschung sind Plaggenesche erfasst. Im Gelände lassen sie sich v. a. an ihren steilen, bis zu einem Meter hohen Ackerrändern erkennen oder durch Bodenproben nachweisen.

Ehemaliger Plaggenabbau kann sich durch ein typisches Bodenprofil im Gelände abzeichnen; oft sind die beiden parallelen Steilkanten der Senken bereits in topographischen Karten (1:25.000) verzeichnet.

 

Literaturtipps: Aldag et al. (1983), Eckelmann (1980), Ostmann (1993)

Sandfang

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Sandfänge (auch Sandschellen) sind langgestreckte  Wälle von bis zu acht Metern Höhe und 30 Metern Breite, oftmals mit auf den Stock gesetzten Eichen bewachsen ( Niederwald).

 

Kulturgeschichte:

Die meisten Sandfänge wurden vermutlich im 18. Jh. angelegt, als durch Überweidung und Plaggenhieb viele Böden dem Wind ausgesetzt waren, um Äcker oder Siedlungen vor Überwehung durch Sand schützen. Zunächst errichtete man Flechtzäune, die bald vom abgelagerten Sand überdeckt wurden und sich zu Wällen entwickelten. Um Sandfänge zu befestigen, wurden sie oftmals mit Eichen bepflanzt, die regelmäßig auf den Stock gesetzt wurden.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Sandfänge sind z. B. in den Landkreisen Oldenburg, Emsland, Celle, Uelzen und Osnabrück bekannt.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Sandfänge werden nur selten von den archäologischen Denkmalbehörden erfasst und vom NLD ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen. Sie sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Zehm (1997)

Scheune

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Getrennt vom Haupthaus stehendes Gebäude zum Aufbewahren von Erntegut (v. a. ungedroschenes Getreide, im Gegensatz zum  Speicher für gedroschenes Korn), oder landwirtschaftlichem Gerät. Typisches Merkmal ist die große, mit einem beladenen Erntewagen zu durchfahrende Toreinfahrt. Standort der Scheune ist i. d. R. das Gelände des Bauernhofes, stehen Scheunen in der freien Landschaft, heißen sie Feldscheunen. Aus Brandschutzgründen wurden Scheunen auch fernab der Haupthäuser gemeinsam mit anderen in einem Scheunenviertel erbaut.

 

Kulturgeschichte:

Früheste Scheunen sind vereinzelt schon aus vorgeschichtlicher Zeit bekannt, treten vermehrt im 16. Jh. auf und sind seit dem 18. Jh., als sich die wirtschaftlichen Bedingungen der Bauern verbesserten, weit verbreitet. Sie wurden errichtet, wenn der Platz im Haupthaus für die zunehmenden Ernten nicht mehr ausreichte und die Ernte gegen Feuer gesichert werden sollte. Abhängig von ihrer Funktion entwickelten sich spezielle Scheunentypen wie Viehscheunen, Flachsscheunen, Hopfenscheunen, Zehntscheunen (wohin die Bauern ihre Abgaben in Naturalien zu liefern hatten), Torscheunen (querseitig durchfahrbar, zur Lagerung und zum Hofabschluss) oder Zaunscheunen (lediglich mit Flechtwerk gefülltes Fachwerk zum Lagern und Nachtrocknen von Heu).

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Scheunen sind landesweit verbreitet. Scheunenviertel sind eine Besonderheit im Einzugsgebiet der Mittelweser.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Scheunen und Scheunenviertel werden i. d. R. von den Denkmalbehörden erfasst und können als Baudenkmal in das Verzeich­nis der Kulturdenkmale aufgenommen werden. Feldscheunen und andere Scheunen in der freien Landschaft bleiben da­bei allerdings oft unberücksichtigt und sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Gläntzer et al. (1992), Kaiser & Ottenjann (1995), Möller (1984), Sche­pers (1976)

Schwemme

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Eine Schwemme (auch Spühlkuhle) ist eine zum Waschen oder Tränken des Viehs genutzte flache Stelle in einem Gewässer oder auf einem Hof, z. B. für Pferde (Pferdeschwemme) oder Schafe (Schafwäsche). In einzelnen Fällen kann die Schwemme samt Uferbereich durch Pflaster befestigt sein.

 

Kulturgeschichte:

Das Waschen des Viehs diente nicht nur der Pflege der Tiere, sondern war notwendige Vorarbeit zur Gewinnung von Fell und Wolle.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

unbekannt

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Schwemmen werden i. d. R. nicht von Natur- oder Denkmalschutzbehörden erfasst. Sie sollten als Zeugnis historischer Viehwirtschaft dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Bomann (1929)

Speicher

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Speicher sind getrennt vom Haupthaus stehende Gebäude aus Fachwerk, Holz oder Stein zum Aufbewahren von Vorräten oder Handelsgütern. Im Gegensatz zur  Scheune ist der Speicher meist nicht mit einem Erntewagen befahrbar. Oft haben Speicher zwei z. T. nach oben breiter werdende Stockwerke. Der unterste Stock kann zum Schutz vor Einbrechern fensterlos und mit einer besonders stabilen Tür ausgestattet sein. Wegen Brandgefahr konnten Speicher mit Lehm überzogen sein (Lehmspei­cher). Bei Treppenspeichern war das Dachgeschoss zusätzlich von außen über eine Treppe erschlossen.

Ähnlichkeit haben Speicher mit Steinwerken, die jedoch aus dem Mittel­alter stammen, komplett aus Bruchstein erbaut sind und neben der Lagerung von Vorräten auch Verteidigungs- und Wohnzwecken dienten. Silos sind im 20. Jh. entstandene, nicht begehbare Nachfolger von Speichern.

 

Kulturgeschichte:

Steinwerke stammen aus dem 11. - 14. Jh., Speicher wurden v. a. vom 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Speicher finden sich mit verschiedenen regionalen Typen in ganz Niedersachsen. Steinwerke sind besonders häufig im Osnabrücker Land, Treppenspeicher sind v. a. in Heidegebieten verbreitet.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Speicher werden i. d. R. von den Denkmalbehörden erfasst und in das Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen werden.

 

Literaturtipps: Gläntzer et al. (1992), Kaiser & Ottenjann (1995), Möller (1984), Sche­pers (1976)

Speicherruine am Hahnenbach, Ldkr. Heidekreis (Foto: Florian Friedrich)

Steinwerk bei Bissendorf, Ldkr. Osnabrück (Foto: Christian Wiegand)

Streuwiese

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Streuwiesen sind Wiesen, die nur einmal im Jahr (August/ September) gemäht werden, um Gras zur Stalleinstreu zu gewinnen. Sie sind i. d. R. gekennzeichnet durch sumpfige Standortverhältnisse, die eine intensivere Grünlandnutzung ausschließen. Eine typische Pflanzenart der Streuwiesen ist z. B. das Pfeifengras.

 

Kulturgeschichte:

Die Streuwiesennutzung geht vermutlich auf die Neuzeit zurück, als auch ungünstige Bereiche der Landschaft in die Nutzung einbezogen wurden. In Streuwiesen leben viele gefährdete Pflanzenarten, die wegen ihrer langen Entwicklungszeit bis zur Fruchtbildung auf einen späten Mahdtermin angewiesen sind. Besondere Bedeutung haben Streuwiesen auch für Wiesenbrüter.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Streuwiesen gehörten vor allem in sumpfigen Niederungen zum typischen Bild der historischen Kulturlandschaft. Weil moderne Stallhaltung ohne Einstreumaterial auskommt und sumpfige Standorte meist entwässert wurden, sind Streuwiesen heute extrem selten.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Streuwiesen erfüllen die Merkmale eines nach § 28a bzw. § 28b NNatG geschützten Biotops und werden von den Naturschutzbehörden erfasst.

 

Literaturtipps: Bomann (1929), Kapfer & Konold (1994), Konold (1996), Küster (1995)

Terrassenacker

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Terrassenäcker finden sich v. a. in Hanglagen des Berglandes und bestehen aus mehreren, mehr oder weniger parallel zur Höhenlinie verlaufenden Hangstufen (Ackerterrassen). Der Terrassenacker ist im Vergleich zum steilen Hang vergleichsweise eben und hat je nach Hangneigung eine Breite von zwei bis zehn Metern, so dass der Hang getreppt wirkt. Steile Terrassenhänge zwischen Terrassenäckern heißen Stufen- oder Hochraine und wurden mit Grasbewuchs,  Wallhecken oder  Lese­stein­wäl­len ge­gen Erosion geschützt. Ein Höhenunterschied am Übergang von Wald oder Grünland zu einem unterhalb gelegenen Acker wird Kulturwechselstufe genannt und ist durch Bodenabtrag auf dem Acker entstanden.

 

Kulturgeschichte:

Terrassenäcker wurden in Europa seit dem Mittelalter zur Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Hanglagen angelegt und sind Relikte des mittel­al­ter­lichen bis neuzeitlichen Ackerbaus. Sie entstehen durch hangseitigen Bodenabtrag und tal­seitigen Bodenauftrag. Die Bodenumlagerungen wurden von Hand vorgenommen oder ent­standen durch Pflügen. Weil sich Terrassen­äcker bei Änderung der Hanggefällerichtung in  Wölbäcker fortsetzen, treten Terrassen- und Wölbäcker im Bergland oft ver­gesell­schaf­tet auf.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Terrassenäcker finden sich in Niedersachsen in allen Gebieten mit höherer Hangneigung. Da die ackerbauliche Bewirtschaftung heute zu aufwendig ist, werden die Gebiete mit Terrassenäckern vorwiegend als Grünland oder Forst genutzt.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Hinweise auf Ackerterrassen kann bereits die Topogra­phische Karte 1:25.000 geben, in der Ackerterrassen häufig als parallel zu den Höhenlinien gezeichnete Böschungssignaturen zu erkennen sind. Ackerterrassen und Terrassenäcker werden nur in Einzelfällen von den archäologischen Denkmalbehörden erfasst und vom NLD ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen. Sie sollten daher dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Born (1989), Denecke (1979), Küster (1995), Ratjens (1979), Werth (1954)

Terrassenäcker Brevörde, Ldkr. Holzminden (Foto: Hilko Linnemann)

Terrassenäcker Rühler Schweiz, Ldkr. Holzminden (Foto: Hilko Linnemann)

Tränke

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Natürliche oder künstlich geschaffene flache Wasserstelle, an die das Vieh zum Tränken geführt wurde; entweder ein Dorfteich, ein kleiner Teich außerhalb der Siedlung, eine mit Grund- oder Regenwasser gefüllte Mulde oder eine flache Stelle an einem Bachufer. Eine spezielle Form der Tränke im Küstenraum ist der Fething ( Wurt).

 

Kulturgeschichte:

Die Anlage von Tränken zur Wasserversorgung des Weideviehs war früher relativ einfach zu bewerkstelligen, denn im allgemeinen war der Grundwasserstand früher höher und die Landschaft dadurch insgesamt feuchter als heute. Mittlerweile sind viele Trän­ken abgelöst worden von transportablen Wasserfässern oder Weidetränken, die selbständig vom Vieh betätigt werden und mit Hilfe von Pumpen Tränkwasser aus Brunnen fördern.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

landesweit

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Tränken, die gezielt als solche angelegt oder ausgebaut wurden, sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Bomann (1929)

Trift

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Streifen aus  Magerrasen oder  Heide, vereinzelt mit Gehölzen (z. B. Wacholder) durchsetzt, auf dem Viehherden zu Weideplätzen getrieben wurden ( Allmende) oder werden. Oft waren Triften seitlich durch  Wallhecken,  Wälle oder  Gräben begrenzt, um die Aufsicht über das Vieh zu erleichtern.

 

Kulturgeschichte:

Auf Triften wurde seit Jahrtausenden das Vieh zu den gemeinschaftlichen Weideflächen (Allmende) getrieben. Als diese im 18. und v. a. im 19. Jh. aufgelöst und privatisiert wurden, sind Triften in andere Nutzungen überführt worden, z. B. Wege, Wald oder Grünland.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Heute sind die ehemals allgegenwärtigen Triften allenfalls noch in Relikten erhalten, z. B. als langgestreckte Magerrasen- oder Heiderelikte, ggf. mit noch erkennbaren parallelen Begrenzungen. Sie dürften am ehesten in Geestgebieten überdauert haben, die wegen Nährstoffmangel nur schwach genutzt werden. Im Landkreis Gifhorn sind z. B. Relikte von Triften bekannt.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Triften werden von den Natur- oder Denkmalschutzbehörden nicht gezielt erfasst. Sie können zwar in Einzelfällen als Bestandteile von Heiden oder Magerrasen unter Naturschutz stehen, ihre ehemalige Funktion als Trift wird dabei jedoch nur selten dokumentiert. Daher sollten Triften dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Bomann (1929), Born (1989), Ewald (1996), Koch (1998), Küster (1995), Vogtherr (1986)

Trift bei Spechtshorn, Ldkr. Celle (Foto: Florian Friedrich)

Driftweg mit Wallhecken auf der Gaste in Dunum, Ldkr. Wittmund (Foto: Axel Heinze)

Wallhecke

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Eine Wallhecke ist ein mit Bäumen oder Sträuchern bewachsener Wall; andere Bezeichnungen sind Euwer; Oiwer oder Knick. Die klassische Wallhecke hat beiderseits parallele Gräben, aus denen das Material für den Wall entnommen wurde. Diese Gräben können heute verfüllt oder verlandet sein. Steht die Hecke auf einem Wall aus Steinen, spricht man auch von einem Steinknick (vgl.  Lese­steinwall). Ein Weg zwischen zwei parallelen Wallhecken (Doppelknick) heißt Redder. Tritt­stufen zum Über­que­ren eines Grabens einer Wallhecke heißen Stegel oder Steggelsch. Ehemalige Wall­hecken können sich mangels Pflege zu Baumreihen oder zu unbewachsenen  Wällen (z. B.  Pflanzkämpe) entwickeln.

 

Kulturgeschichte:

siehe auch  Hecke. Die meisten Wallhecken und Wälle entstanden im Anschluss an die Markenteilungen (Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts), als neu zu­geteilte Parzellen durch Wallhecken zu umgrenzen waren. Dadurch war es endlich möglich, Viehherden ohne Hirten weiden zu lassen. Hierbei sind ganze Heckensysteme entstanden, die noch immer viele Landstriche prägen. Älter sind die Wallhecken der Ringwälle um den  Esch, der die Kulturflächen vor dem in der Allmende weidenden Vieh schützte.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

wie  Hecken. Wallhecken sind v. a. in den Geestlandschaften Niedersachsens typisch.

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Zur Erfassung von Wallhecken eignet sich v. a. die Aus­wertung historischer Landkarten. Besonders markante Exemplare werden i. d. R. im Rahmen der Landschaftsplanung erfasst. In verschiedenen Landkreisen Niedersachsens sind darüber hinaus sämtliche Wallhecken kartiert. Besondere kulturhistorische Bedeutungen von Wall-hecken bleiben bislang oft unberücksichtigt und sollten dem NHB gemeldet werden. Wall-hecken unterliegen § 33 NNatG, wonach ihre Beseitigung oder Beeinträchtigung verboten ist. Pflegemaßnahmen (z. B. Schnitt) sind erlaubt.

 

Literaturtipps: AfA Oldenburg (1997), Landkreis Ammerland (o. J.), Pott (1988) und (1989), Schupp & Dahl (1992), Siebels (1954)

Wallheckenweg, Gem. Friedeburg, Ldkr. Wittmund (Foto: Axel Heinze)

Wallhecke Große Hedenhorst, Celle (Foto: Florian Friedrich)

Wallhecke Große Hedenhorst, Celle (Foto: Florian Friedrich)

Weinberg

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Kultur der Weinrebe, i. d. R. in südlicher Exposition am Hang angelegt. Bei zunehmender Steilheit kann der Hang mittels  Stufenrainen oder  Trockenmauern terrassiert sein.

 

Kulturgeschichte:

Der Weinbau kam über die Römer nach Mitteleuropa. Er ist seit dem 2. Jahrhundert linksrheinisch und seit dem 8. Jahrhundert rechtsrheinisch nachzuweisen. Größere Verbreitung erfuhr er seit der Christianisierung wegen des Bedarfs an Messwein, der entweder importiert oder lokal angebaut wurde. Der ehemals in Niedersachsen weiter verbreitete Weinbau belegt nicht etwa ein wärmeres Klima während des Mittelalters, sondern ist auf den sehr hohen Aufwand beim Weinimport zurückzuführen.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Der einzige noch bewirtschaftete und zugleich nördlichste Weinberg Deutschlands liegt in Hitzacker. Historischer Weinbau ist in Niedersachsen u. a. in den Landkreisen Holzminden (bei Höxter, Burg Polle, Rühler Schweiz, Vogler), Hildesheim und Nienburg (bei Leseringen) bekannt.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Sofern Relikte des historischen Weinbaus in der Landschaft erkennbar sind, sollten sie dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Pape (1989)

Wölbacker

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Wölbäcker (Hochäcker) bestehen aus parallelen, lang­gestreckten ( Langstreifenflur) und in der Mitte erhöhten Ackerbeeten (Ackerstreifen), die in der Breite meist nur 8 bis 20 Meter messen und gegenüber den dazwischen liegenden Furchen um bis zu 1 m erhöht sind. Für den Laien sind Wölbäcker nur schwer zu erkennen.

 

Kulturgeschichte:

Wölbäcker entstanden meist im Mittelalter durch das Zusammenpflügen der Erdschollen zur Ackermitte. Die dadurch entstandene Erhöhung in der Beetmitte bot den Vorteil einer mächtigen, humosen und fruchtbaren Ackerkrume. Bei nassen Böden blieben die Beete vergleichsweise trocken, da die Furchen am Beetrand als Drainage dienten. Früher hatten sämtliche Äcker die Form von Wölbäckern. Durch Zusammenlegen der länglichen Parzellen und durch moderne Pflügetechniken sind sie aus der heutigen Ackerflur verschwunden. Nur wo Wölbäcker schon früh brach gefallen und in Wald oder Grünland übergegangen sind, hat sich ihre typische Oberflächenform erhalten. Oft handelt es sich um das ehemalige Ackerland von  Wüstungen.

 

Vorkommen/ Verbreitung:

Wölbäcker sind heute nur noch dort zu finden, wo ehemalige Äcker vor der Einführung moderner, schwerer Pflüge in Wald oder Grünland übergegangen sind. Sie sind in ganz Europa verbreitet.

 

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Wölbäcker werden nur in Einzelfällen von den archäologischen Denkmalbehörden erfasst und vom NLD ins Verzeichnis der Kulturdenkmale aufgenommen. Sie sollten daher dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Born (1989), Jäger (1987), Meibeyer (1971), Möller (1984), Werth (1954), Willerding (1989)

Wölbacker bei Loccum, Ldkr. Nienburg (Foto: Christian Wiegand)

Wölbacker Hondelage, Braunschweig, (Foto: Christian Wiegand)

Zaun

Merkmale, Morphologie, Typologie:

Ein Zaun dient zur Begrenzung, zur Einfriedung und in neuerer Zeit auch als Sichtschutz einer Par­zelle. Bauweise und -material historischer Zaun­arten sind vielfältig und können je nach Region variieren, z. B. Holzzaun, Staketen­zaun, Flecht­zaun aus Weidenzweigen, Steinplattenzaun (im Weserbergland, bestehend aus Sandsteinplatten von mehreren m2 Größe), Eichenbohlenzaun (in Heidegebieten) u. v. a.

 

Kulturgeschichte:

Zäune sollten wie  Wallhecken Unbefugte, Vieh und Wild von kultivier­tem Land fernhalten und fanden v. a. bei der Einfriedung hofnaher Areale Verwendung, z. B.  Bau­erngärten. Historische Zäune sind vielfach Zeugnisse früheren Handwerks und können mit ihrer regi­onaltypischen Bauweise und landschafts­typi­schen Materialien eine Landschaft prägen. Seit der Einführung von Maschen-, Stacheldraht- (ca. 1900) und neuerdings Elektrozäunen gehen sie zurück.

 

Vorkommen/ Verbreitung: s. o.

Erfassung/ Gesetzlicher Schutz:

Historische Zäune mit regi­onaltypischer Bauweise und aus landschafts­typi­schen Materialien werden bis­lang kaum erfasst und sollten dem NHB gemeldet werden.

 

Literaturtipps: Wöbse (1994)

Steinplattenzaun Schevelstein, Ldkr. Hameln (Foto: Christian Wiegand)

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